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Dicke Babys:"Es ist ein Sumo-Säugling"

Statt feingliedriger, schmaler Babys kommen immer mehr Pfundskerle zur Welt. Bei den XXL-Babys sind Gesundheitsprobleme quasi programmiert.

Winzig, zart und feingliedrig sind die meisten Säuglinge - doch immer häufiger werden Müttern im Kreißsaal regelrechte Brocken in die Arme gelegt. Nicht nur viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind zu dick, auch bei Fötus und Neugeborenem zeigt sich ein Trend zum Übergewicht.

Baby; iStockphotos

Dicke, sogenannte makrosome Kinder haben zu viel des Wachstumshormons Insulin bekommen.

(Foto: Foto: iStockphotos)

In Deutschland bringen inzwischen acht bis zehn Prozent aller Neugeborenen 4000 Gramm und mehr auf die Waage, sagt Prof. Klaus Vetter, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). In der Kölner Klinik für Frauenheilkunde habe jüngst ein 5,7 Kilo schwerer Säugling das Licht der Welt erblickt, erinnert sich Direktor Prof. Peter Mallmann.

Vor wenigen Tagen wurde der propere Federico mit immerhin 4500 Gramm geboren - rund 1000 Gramm mehr als durchschnittlich. Auch in anderen Ländern ist diese Tendenz zu beobachten. Ein fast acht Kilo schweres Riesenbaby sorgte 2007 in Mexiko für Aufregung. Anfang 2008 brachte in Russland ein neugeborener Junge 6,1 Kilo auf die Waage, bei einer ungewöhnlichen XXL-Länge von 63 Zentimetern.

Mit den Schultern steckenbleiben

In Polen kam ein Sieben-Kilo-Baby zur Welt. Hauptgründe für die "hyperalimentierten" (überversorgten) Babys sind nach Mediziner-Angaben das zunehmende Alter und wachsende Übergewicht der Mütter. Jede vierte Schwangere in Deutschland ist 35 Jahre und älter, ebenfalls etwa jede vierte Schwangere ist zu dick.

Für ältere und übergewichtige Mütter steigt zudem Risiko, in der Schwangerschaft einen Diabetes zu entwickeln, was die Wahrscheinlichkeit eines Riesenbabys erhöht, wie DGGG-Vize Vetter erklärt. Schwangerschaftsdiabetes gehört zu den häufigsten Komplikationen während der "anderen Umstände" einer werdenden Mutter.

Viele überdimensionierte Neugeborene sind zwar kerngesund. Für die "Sumo- Säuglinge" könnten sich aber durch die sogenannte fetale Makrosomie auch gesundheitliche Schäden ergeben. "Makrosome Kinder bekommen zu viel Insulin, das ist ein Wachstumshormon.

Es führt zu Gewichtszunahme und kann auch die Körperkomposition verändern", erklärt Vetter. Ein Übermaß an Blutzucker der Mutter gelangt zum Fötus, der mit einer erhöhten Insulin-Produktion reagiert. Da die Plazenta aber nicht für Insulin durchlässig ist, kann das Hormon den kindlichen Körper nicht verlassen. Bei den Riesenbabys werden auch die Knochen dicker, mitunter ist der Kopfumfang übergroß, der Hals kurz und wuchtig sowie die Breite der Schultern ungewöhnlich.

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