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Brautmode:Kleider für Ja-Sagerinnen

Heiraten ist nach wie vor in Mode. Nur die Brautkleider ändern sich. Sie erzählen von der Rolle der Frau und ihrer Zeit. Ein Abgesang auf den Schleier.

Violetta Simon

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Kleider für Ja-Sagerinnen

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Die Braut kommt nicht aus der Mode. Nur ihre Kleider ändern sich. Sie erzählen von der Rolle der Frau und ihrer Zeit. Ein Abgesang auf den Schleier.

1965 - das Jahr, in dem auch Ringo Starr in London heiratete. Die Frauen beginnen sich zu wehren, die feministische Bewegung etabliert sich allmählich. Doch nur zögerlich: Dieser Braut weht ein heftiger Wind den Schleier vors Gesicht, als sie frisch vermählt die Treppen einer Kirche in Notting Hill hinabsteigt.

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Die Alternative zum Schleier: der Hut. Die Braut beweist Selbstbewusstsein, doch die große schwarze Schleife macht ihr einen Strich durch die Rechnung - das Gesicht bleibt zur Gänze verborgen, eingeklemmt zwischen zwei Scheuklappen. Welche Frau will sich an so einem Tag Mund, Augen und Ohren verschließen lassen?

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Kaskaden der Vernunft: Dieses Brautkleid ist ein Zugeständnis an die Weiblichkeit. Der Rock nimmt die Form des Schleiers auf und setzt sie fort, bis dieser auf dem Boden der Tatsachen landet.

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Emanzipation von Anfang an: In den siebziger Jahren vervollständigten die Frauen ihre Forderung nach Gleichberechtigung, indem sie sich vom gerüschten Glitzer-Kleidchen verabschiedeten und bereits bei der Trauung die Hosen anhatten.

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Zwanzig Jahre später: Schlichtweg perfekt, ohne kitschig zu sein - das Brautkleid der griechischen Designerin Celia Kritharioti macht selbst aus einem cholerischen Biest wie Naomi Campbell einen vollendeten Engel. Im Hebräischen bedeutet ihr Name "die Liebliche". Aber sicher doch, wer wollte daran zweifeln?

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Aloha! Yves Saint Laurent hüllte Laetitia Casta 1999 in einen floralen Bikini mit rosafarbener Tüllschleppe. Für Romantiker, die barfuß im Sand heiraten und dabei ihre Augen weiden lassen möchten.

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Mann auf Brautschau: Die weißen Rosen für den spontanen Heiratsantrag sind griffbereit. Andrew Clarke präsentiert den Bräutigam als Objekt der Begierde und versieht den blauen Zylinder von "Wonderboy" mit einem Schleier, vor dem der bloße Oberkörper anbetungswürdig zur Geltung kommt.

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Die Frau, das unbekannte Wesen: Alexander McQueen interpretierte für Givenchy in der Saison 1999/2000 die Braut als Phantom. Inspirieren ließ er sich dabei von einer Szene, die die Hinrichtung von Lady Jane Grey, der Großnichte Henrys VIII., zeigt. Entsprechend blutarm kamen die Models daher - es waren Schaufensterpuppen.

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Auch der russischen Designerin Irina Krutikova gilt die Braut als unergründliches Wesen. Doch mit Hilfe von Blumen, Rüschen und Tüll kommt sie immerhin als Sahnehäubchen durch - da stört es nicht weiter, dass sie den Altar vor lauter Gras nicht sieht.

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Wenn Josephine Baker mit dem Wolf tanzt: Für das Millennium hüllte Yves Saint-Laurent seine Muse Laetitia in ein Federkleid. Bleibt die Frage, ob die Braut in der Hochzeitsnacht gackert oder Indianergeheul anstimmt.

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Wenn die Bräute Trauer tragen: Der Entwurf, mit dem das Designerpaar Viktor und Rolf in die Wintersaison 2001/2002 ging, kann als gesellschaftskritisches Statement verstanden werden. Inmitten einer modernen europäischen Gesellschaft müssen sich noch immer junge Frauen einem falsch verstandenen Begriff von Familienehre beugen und Zwangsehen eingehen.

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Stillgestanden! Für das Modehaus Gattinoni ist im Jahr 2002 klar, wer nach der Hochzeit das Sagen hat. Doch insgeheim weiß der Italiener: Das Matriarchat ist nichts anderes als die regulierte Anarchie. Und der Feldwebelton wird nur im äußersten Notfall eingesetzt.

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Häuptlingsdame auf Kriegspfad: Auch in der darauffolgenden Saison hat die Frau den Hut - beziehungsweise die Federn - auf. Auch wenn Jean-Paul Gaultier die Braut als Paradiesvogel präsentiert - die Schulterklappen sind die eines Admirals.

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Braut des Heiligen Geistes: Christian Lacroix präsentiert die Jungfrau Maria 2002 in einem opulenten Hochzeitsgewand. Botschaft: Betrachte mich, aber rühr mich nicht an!

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Ganze drei Jahre später griff John Galliano für Dior die Idee der heiligen Weiblichkeit auf, setzte sie jedoch in gewohnt spielerischer Manier um: Diese Jungfrau lockt mit nackten Schultern, geröteten Wangen und vielsagendem Blick. Ob sie die Wahrheit über den Da Vinci Code kennt?

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Und immer lockt das Weib zum Schäferstündchen: Hätten die Damen in der Epoche des Rokoko ihre Reifröcke in derselben schwindelerregenden Höhe enden lassen wie Tsai Meiyue, die Französische Revolution hätte nicht so lange auf sich warten lassen.

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Dieses Brautkleid gelangte 2006 ins Guinnesbuch der Rekorde - als schwerste Robe aller Zeiten. Leider schaffte es die Braut, nachdem sie sich zwei Stunden lang hineingequält hatte, nicht mehr allein zum Altar. Fünf Brautjungfern und acht Männer halfen beim Schleppen der Schleppe. Der Traum aller heiratswütigen jungen Damen? Eher ein Albtraum.

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Verliebt, verlobt, abgeschleppt: Einst ließ die Dame Taschentücher fallen. 2007 mussten es schon meterlange Federboas sein - zumindest, wenn es nach Chanel-Designer Karl Lagerfeld ging. War dann immer noch kein Kavalier in Sicht, sprang auch schon mal der Designer höchstpersönlich ein. Vorhang auf!

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Im Jahr darauf ging der deutsche Designpapst dann in die Offensive: "Auf sie mit Getüll!" sollte der Schlachtruf des liebeskranken Bräutigams lauten. Doch - oh weh! - es handelte sich um eine Falle: Der wackere Freier konnte die Braut vor lauter Stoff nicht finden und verfing sich im unheilvollen Netz der Hochzeitsgardine.

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Eine florale Erscheinung: Der Japaner Yumi Katsura führt die Braut 2008 in transparenten Stoffbahnen zum Altar, an denen sich märchenhafte Rosen emporranken. Durchsichtig, zugegeben - doch alles andere als fadenscheinig!

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2009 - wir sind in der Gegenwart angekommen. Die Braut trägt, acht Jahre nach Viktor und Rolf, wieder schwarz - allerdings eine exakte Spiegelung des klassischen "Traum in Weiß". Das Design-Duo Ibarra und Espinosa hatte vermutlich Jeanne Moreau als rachsüchtige Witwe im Hinterkopf, der François Truffaut nicht eine Minute als rechtmäßige Gattin gönnte - noch während der Zeremonie traf eine tödliche Kugel den Mann an ihrer Seite. Eine Metapher auf die hohe Scheidungsrate?

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Die Braut als Regentin: Alberto Rodriguez ließ sich zu diesem Kleid offenbar von Katharina der Großen inspirieren. Zugegeben, sie hätte in diese atemberaubende Version niemals hineingepasst. Aber ansonsten stand sie für alles, was eine Frau heutzutage braucht: Ehrgeiz, Klugheit und Stärke. Dass Neider die Zarin als machtgierig, mannstoll und eitel bezeichneten, ist ein Phänomen, das sich erfolgreichen Frauen gegenüber bis heute gehalten hat.

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Flower Power im Puszta-Look: Der Kopf bekränzt, das Kleid ein Blütenmeer. Der Argentinier Roberto Piazza lässt Blumen sprechen - für jede Brust eine. Der Brautstrauß gleicht einem Füllhorn - eine Absage an die Krise?

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Auch das Label Gianni Castelli setzt auf Blütenpracht. Allerdings scheint das Gewicht der Rosen die zarten Schultern der Braut nach unten zu ziehen. Der Betrachter fühlt sich an einen Blumenkasten erinnert, hinter dem die weibliche Brust zur Gänze verschwindet, statt zur Geltung zu kommen.

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Duell im Morgengrauen: Auf der China Fashion Week stehen sich zwei Brautkleider aus der aktuellen Frühjahrs/Sommer-Kollektion gegenüber. Wenn zwei sich um den Bräutigam streiten, kann sich das mit der Zeremonie noch hinziehen. Könnte sich bis dahin vielleicht jemand erbarmen und einen wirklich ergreifenden Entwurf ausdenken?

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Aufmerksamkeit erheischend, in der Tat. Doch Gott behüte, dass das die Frauenrechtlerinnen zu sehen kriegen! Dann geht alles wieder von vorne los.

Foto: Reuters (sueddeutsche.de/vs)

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