Bio-Catering Luxus ohne schlechtes Gewissen

Die Cateringfirma Kofler & Kompanie will mit der Food-Kollektion "Green Glamour" zeigen, dass Bio sexy und glamourös sein kann. Dennoch fehlen ein paar Prozent.

Von Ines Schipperges

Prêt-à-diner - schon diese Wortkreation zeigt, dass es sich bei dem, was da jetzt kommt, um etwas Aufregendes handeln muss - um etwas, das so en vogue ist, dass es eigentlich auf einen Laufsteg gehört. Prêt-à-diner, das klingt nach New York Fashion Week. Wenn also der "Caterer des Jahres" 2003 bis 2005 mit diesem Neologismus wirbt, dann muss es schon etwas Besonderes sein. Es soll eine kulinarische Modenschau sein, die Lebensmittel sind die Models, die den Trend von seiner schönsten Seite präsentieren sollen.

Bio-Caterer Kofler kombiniert Luxus mit Umweltbewusstsein.

(Foto: Foto: Kofler & Kompanion)

Deshalb auch die Location: Man trifft sich in der Freiheizhalle, dem ehemaligen Heizkraftwerk des Münchner Hauptbahnhofs, um zu sehen, wie eine Kombination aus Umweltbewusstsein und Lifestyle auszusehen hat. Kofler & Kompanie will der erste Bio-Caterer in Deutschland sein. Inhaber Klaus Peter Kofler will den Regeln des Zeitgeistes gehorchen. Bio ist in, Catering auch - warum also nicht beides verbinden.

Die Firma Kofler war im vorletzten Jahrhundert Hoflieferant des Deutschen Kaiser, sie richtete im vergangenen Jahrhundert Staatsbanketts für die Queen aus und kochte in diesem für den Geburtstag von Helmut Kohl. Eine Firma mit Tradition, die seit jeher für die Wichtigen und Mächtigen kocht. Und die wollen den Trend - und der lautet nun einmal: grün, grün, grün.

Grünes Essen, grüne Räume

Kofler lässt sich einiges einfallen: Nicht nur die Essenszutaten stammen aus biodynamischen Anbau. Auch die Raumausstattung ist, wie die Veranstalter nicht müde werden zu betonen, ökologisch korrekt und luxuriös zugleich, das Motto "Green Glamour" wird bis ins letzte Detail befolgt. Grün ist die Tischdekoration: Abgeschnittene Weinflaschen, umfunktioniert zu Vasen, grüne Speisenkarten, grüne Servietten, Geschirr aus Recyclingmaterial, umweltbewusst verwandelt in neue Objekte. Grün ist die Raumdekoration: Bäume wachsen zwischen den Tischen, Lichtinstallationen setzen die Halle in ein mild-grünes, leicht schummeriges Licht. Tische und Stühle - alles ist recyclebar.

Die Caterer haben sich "strenge Regeln auferlegt": 80/80/100 lautet das Stichwort des Abends - diese Zahlen werden so oft zitiert, bis sie wirklich jeder auswendig kann. Bedeutet: 80 Prozent der verwendeten Prdoukte sind organisch, 80 Prozent wurden nicht weiter als 150 Kilometer transportiert. Und bei Bedarf und Wunsch des Kunden kann sogar eine zu 100 Prozent CO2-neutrale Veranstaltung - wortwörtlich - auf den Tisch gezaubert werden. Genau hier jedoch versteckt sich der Haken der Geschichte: bei Bedarf.

Bio in letzter Konsequenz?

Die Idee nämlich ist neu, nicht umwerfend originell, jedoch gerade in der Konsequenz des Konzeptes durchaus innovativ. Schön und gut, doch bleibt die Frage im Raum stehen: Wer bucht diesen Caterer? Und: Besteht überhaupt ein Bedarf?

Klar: Ökologie ist "Trend", jeder will etwas fürs Klima tun und es gilt als bio, zwei Stunden mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, mit der Begründung: "Ich kaufe ja nur noch bei meinem Bio-Bauern." Da ist es durchaus erfreulich zu beobachten, wie Umweltbewusstsein folgerichtig durchgezogen wird - ohne auf halbem Wege haltzumachen.

Kofler möchte seinen exklusiven Kunden deshalb vor allem eines bieten: Luxus ohne schlechtes Gewissen. Biologisch abbaubaren Sex-Appeal. Wiederverwertbare Sinnlichkeit. Vom Flusskrebs auf Orangenblütenbaiser über den Karpfen mit Bernaisemayo bis zum Ziegenmilchreis mit weißer Schokolade und Estragoneis ist alles dabei, was sich die verwöhnten Gaumen kulinarischer Experten nur wünschen können.

Nur: Bei aller Begeisterung über das neue Projekt müssen die Caterer selbst eingestehen, dass ihre Kunden die Pracht wohl kaum in ihrer ganzen Fülle erleben werden wollen. Das Event steht im Vordergrund, nicht das Essen. Das Prêt-à-diner dürfte eine seltene - wenn nicht gar die einzige - Gelegenheit sein, zu der sich Kofler & Kompanie auf ganzer Linie austoben darf. Im Härtetest der Realität, das weiß auch der Caterer, werden höchstens Details, höchstens einzelne Gänge des liebevoll erdachten und aufwendig ausgeführten Menüs ihren Auftritt erleben.

Das ist schade, denn das Konzept ist gut, das Essen schmeckt, der Rahmen ist passend gewählt. Die Zeit allerdings ist noch nicht reif für Bio in letzter Konsequenz. Allzu sehr wird mit Schlagworten umhergeworfen, allzu sehr kokettiert man mit dem Image des Grenzüberschreiters, der dann aber doch kaum die Gelegenheit bekommen wird, die Grenzen tatsächlich auszutesten, weil der Kunde nicht mitspielt.

"Wie glamourös kann Bio sein?"

"Wie glamourös kann Bio sein?", lautet die immer wiederkehrende Frage des Prêt-à-diners, die sogleich ein wenig kokett beantwortet wird: "Wir wissen sehr wohl, dass Bio noch weit entfernt ist von Lifestyle. Doch wir arbeiten daran, das zu ändern". "Mit allen Sinnen genießen", so lautet die Aufforderung des Caterers, unterstützt von dem beinahe an eine Kampfansage erinnernden Stakkato: "80/80/100".

Die fehlenden 20 Prozent der 80/80 erklären sich somit von selbst: Glamour aus Bio pur ist unmöglich, das hat auch Klaus Peter Kofler erkannt. So darf Chef- und Sternekoch Tim Raue doch zumindest Gewürze verwenden, die nicht in Omas Garten wachsen: Auf Pfeffer, Curry, Ingwer sollen die Kunden nicht verzichten müssen. "Sonst macht's ja irgendwann keinen Spaß mehr!" Es ist zwar bio - aber irgendwie doch nur light, 80 Prozent eben.

Und trotz der Ankündigung einer CO2-neutralen Veranstaltung steht die Bequemlichkeit doch noch über dem Umweltbewusstsein: Der Parkplatz direkt vor der Tür spielte eine wichtige Rolle bei der Wahl des Ortes - denn sonst wäre kaum jemand gekommen zum Bio-Event.

Die grüne Welle

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