Aktuell Wohnungsklau

Gold wert so ein Mietshaus: Im Bild ist das stark umstrittene Werk eines Künstlers zu sehen, der im Hamburger Veddel dieses Haus tatsächlich mit Blattgold verzieren hat lassen. Kosten: 85 000 Euro.

(Foto: Christian Ohde/mauritius Images)

In Berlin kosten Mietwohnungen heute doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Einige möchten deshalb die Häuser den Vermietern wegnehmen. Darf man das?

Von Felicitas Wilke

Drei oder sogar nur zwei Zimmer für eine ganze Familie? Vor allem in größeren Städten müssen viele Eltern mit ihren Kindern in einem Zuhause leben, das eigentlich zu klein für sie ist. Sie finden keine größere Wohnung, die sie bezahlen können. Damit ihre Kinder trotzdem Platz für sich haben, schlafen manche Mütter und Väter im Wohnzimmer. Warum sind Wohnungen so teuer? Viele Häuser in Berlin, Hamburg oder München gehören großen Unternehmen, die damit jedes Jahr mehr Geld verdienen möchten. Und weil sehr viele Menschen ein Zuhause suchen und nur ganze wenige Wohnungen leer stehen, können die Firmen die Mieten immer weiter erhöhen. In Berlin haben Zehntausende Bürger davon jetzt genug. Sie fordern, dass der Staat den Wohnungskonzernen ihre Häuser wegnehmen und der Gesellschaft, also allen Menschen, geben soll. Ist das fair? Niemand darf doch einfach was klauen, weder Kaugummis im Supermarkt noch Schokolade vom kleinen Bruder. Und ausgerechnet der Staat soll das dürfen? Ganze Wohnungen? In bestimmten Fällen ist diese sogenannte Enteignung tatsächlich erlaubt - allerdings nur gegen eine Entschädigung. Manche Politiker geben den Aktivisten recht: Sie sagen, wenn nichts anderes funktioniert, ist es richtig, die Unternehmen zu enteignen. Andere finden, dass man lieber neue Wohnungen schaffen sollte, als anderen etwas wegzunehmen. Bislang wurde aber nicht genug gebaut, damit jede Familie ein Zuhause findet, in dem sie sich wohlfühlt.