Abschied von Siegfried & Roy Ein Tiger, keine Worte

Fünf Jahre nach einer dramatischen Tigerattacke gegen Roy Horn haben er und sein Partner Siegfried ein letztes Mal gezaubert. Mit dabei: der Unglückstiger Montecore.

Die weltberühmten Magier und Dompteure Siegfried und Roy haben dem Show-Business gut fünf Jahre nach der dramatischen Tiger-Attacke in Las Vegas Adieu gesagt. Zur Überraschung der Gäste kam bei der Benefiz-Gala am Samstag (Ortszeit) auch der weiße Tiger auf die Bühne, der Roy 2003 bei einer Show fast getötet hätte. "Das ist das Lebewohl, der Punkt am Ende des Satzes", sagte der Manager des Duos nach der Abschiedsvorstellung.

Siegfried und Roy im Juni 2008: Ende einer Illusionistenkarriere.

(Foto: Foto: Reuters)

Die als "Siegfried & Roy" bekannten deutschstämmigen Magier Siegfried Fischbacher und Roy Horn, die es mit ihren weißen Tigern zu Weltruhm brachten, erschienen mittelalterlich gekleidet auf der Bühne des Hotel-Casinos Bellagio: Dem Publikum war zunächst nicht klar, welcher Magier sich hinter welcher Maske verbarg. Der 69-jährige Siegfried verschwand dann in einer von zwei gläsernen Boxen, anschließend wurden beide Glaskästen verhüllt. Als die Hüllen fielen, steckte Siegfried in der zweiten Glaskiste - in der ersten war der weiße Tiger Montecore zu sehen, der den heute 64-jährigen Roy im Oktober 2003 beinahe getötet hatte.

Stiller Abschied

Nach dem grausigen Vorfall, der sich vor 1500 entsetzten Zuschauern im Hotel Mirage in Las Vegas abspielte, hatte das Duo seine Shows beendet.

Bei ihrem letzten Auftritt, der etwa zehn Minuten dauerte, sprachen die beiden Magier kein Wort. Das Publikum aber jubelte und bedankte sich mit stehenden Ovationen für den Auftritt. Als der Vorhang fiel, verkündete der Ansager: "Der Geist von Siegfried und Roy hat das Gebäude verlassen." Der Manager der beiden, Bernie Yuman, resümierte, als die Show im Oktober 2003 geendet habe, "hatten wir ja nicht gerade viel Vorwarnungszeit".

Nach Montecores Blitz-Angriff damals schwebte Roy wochenlang in Lebensgefahr und musste seither immer wieder in ärztliche Behandlung. Bei seinem Auftritt am Samstagabend bewegte Roy sich zögernd, wirkte aber stabil - was für viele Zuschauer an ein Wunder grenzte.

Warum Montecore Roy auf der Bühne in den Nacken biss, ist bis heute nicht geklärt. Fischbacher sagte dem Fernsehsender CNN, sein Partner sei während der Performance gestürzt, und Montecore habe ihn wie ein Tigerjunges am Nacken packen und in Sicherheit bringen wollen. Augenzeugen zufolge verlor Roy indes die Kontrolle über das fast 200 Kilogramm schwere Tiger-Männchen. Als Montecore sich daraufhin auf Roy gestürzt habe, habe dieser ihn aufs Maul geknufft und das Tier so weiter gereizt. Roy erlitt mehrere Schlaganfälle, musste sich einer Hirnoperation unterziehen und verbrachte eine mehrjährige Rehabilitationszeit im UCLA Medical Center in Los Angeles. Der Erlös der Benefiz-Gala vom Samstag sollte einem neuen Hirnforschungszentrum in Las Vegas zugutekommen.

Die Shows von Siegfried und Roy waren die bekanntesten und erfolgreichsten im Show-und-Casino-Mekka Las Vegas. Über 5700 Mal traten die beiden im Hotel-Casino Mirage auf, 10,5 Millionen begeisterte Zuschauer sahen ihnen zu - und spülten dem Eigentümer MGM Mirage zufolge mehr als anderthalb Milliarden Dollar (knapp 1,2 Milliarden Euro) an Ticket-Einnahmen in die Kassen. Eine große Bronze-Skulptur erinnert vor dem Mirage an Siegfried und Roy. In ihrem "Geheimen Garten" im Mirage-Resort leben weiße Tiger, Löwen und andere exotische Tiere.