Zum Tod von Werner Meyer Ein leiser Held des Journalismus

Er war ein großer Reporter, der Opfern von Kriegen und Erdbeben unermüdlich half: Werner "Bobby" Meyer. Der Journalist der Münchner Abendzeitung ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Er war keiner von denen, die sich mit schrillen Sprüchen nach vorn drängen. Die mit steilen Thesen Themen setzen und sich diebisch freuen, dass andere Journalisten nachschreiben. Nein, er wollte einfach da sein, wo ein Reporter sein muss, an den Brennpunkten des Geschehens. Und er wollte helfen, einfach helfen. Ihn ließen die Grauen in der Welt nicht mehr los.

Unermüdlich im Einsatz: Werner "Bobby" Meyer interviewt 1967 einen Bergarbeiter zur Großen Koalition.

(Foto: Foto: SZ/oH)

Das war Werner Meyer, den sie alle aus unerfindlichen Gründen "Bobby" nannten und der 37 Jahre lang Chefreporter der Münchner Abendzeitung (AZ) war. Für sein Blatt flog der notorisch neugierige Reporter um die Welt - in einer Zeit, in der Fernsehen und Internet bei solchen Themen noch nicht Bild- und Deutungshoheit hatten. Meyer war an den Kriegsschauplätzen in Vietnam, Israel, Iran, Irak, Äthiopien, Bergkarabach oder im früheren Jugoslawien, und in der Abendzeitung erzählen sie gerne die Geschichte, wie er sich einmal im Libanon-Krieg nach dem Zusammenbruch aller Telefonverbindungen kurzerhand sein Manuskript auf den Kopf band und zu einem Frachter schwamm, von dem er seinen Text in die Heimatredaktion absetzen konnte. Die Reportage erschien früh genug.

Ein Vorbild

Dieser Reporter war besessen von der Suche nach dem, was ist. Und der Ausnahmejournalist interessierte sich für die Menschen in Not, wollte ihr Schicksal allen mitteilen. Kriegshelden waren ihm zuwider. Er hatte im Zweiten Weltkrieg als 14-Jähriger in Lazaretten geholfen und mitbekommen, was Krieg anrichtet. Meyer organisierte mit der AZ zahlreiche große Hilfsaktionen, er trieb mit nie nachlassender Energie viele Millionen Mark an Geld- und Sachspenden zusammen, zum Beispiel für Krankenhäuser und Flüchtlingslager in Bosnien und Kroatien, für die Erdbebenhilfe in Friaul und Armenien oder die Russlandhilfe.

Für Kinder, die bei Erdbeben Arme oder Beine verloren hatten, organisierte er Operationen und Prothesen. Jedes einzelne Kinderleben, das so wieder bereichert wurde, entzückte ihn und trieb ihn an. Auch lange nach dem Ruhestand setzte sich Werner "Bobby" Meyer weiter für die Kinder ein. Er erhielt dafür die staatliche Verdienstmedaille Armeniens oder die Ehrenbürgerschaft der armenischen Stadt Spitak. Am Kaukasus ist er ein Held. Auch bekam Meyer das Bundesverdienstkreuz und 1989 den Theodor-Wolff-Preis für seine AZ-Reportage "Kinder schreien nachts noch um Hilfe".

Zur Ruhe, zur Rast kam Meyer nie. Er strich sich kurz über seinen Bürstenhaarschnitt, und dann ging es weiter. Immer gab es irgendetwas zu regeln, etwas zu erforschen. Er war einer der Ersten, der einen Computer in seiner Redaktionsstube hatte. Er war fasziniert von den Fortschritten der Wissenschaft und speziell von der Raumfahrt. Und der gebürtige Bayreuther blieb für die AZ stets der große Richard-Wagner-Spezialist.

Werner "Bobby" Meyer war ein Vorbild. In einer lauten, manchmal zu lauten Branche war er einer, der durch sein Tun Maßstäbe setzte. "Es gibt in unserem Gewerbe nicht viele wie Bobby: Ich weine ihm eine Träne nach", schreibt AZ-Herausgeberin Anneliese Friedmann. In der Nacht auf den Montag ist der große Journalist und Mensch im Alter von 76 Jahren nach einer langen Virus-Krankheit gestorben.