bedeckt München 17°

Zum 25. Todestag von Romy Schneider:Eine veröffentlichte Frau

Romy Schneider: Die französische Presse hob sie in den Himmel, die deutsche Presse zog sie durch den Schmutz. Zur zerbrechlichen Diva wurde sie in den Augen der Öffentlichkeit erst nach ihrem Tod.

Nach ihrem Tod hatte Romy Schneider mehr Bewunderer unter deutschen Journalisten als zu Lebzeiten. Das lag nicht nur an der goldenen Regel, über Tote nichts als Gutes zu erzählen, nihil nisi bene, sondern auch am schlechten Gewissen derer, die sich einst, Säuen gleich, die ihren Schorf an Bäumen abreiben, an ihr schreibend abgerieben haben. Viele von denen, darunter Begabte, die sich ihre Moral teuer abkaufen ließen, sind inzwischen auch im Jenseits. Ihre Namen bleiben deshalb post mortem unter uns.

Romy Schneider zum 70.

Die Unsterbliche

So jener Autor, der das letzte Interview mit Romy Schneider drucken ließ, auf Nachfrage sogar das Datum nannte, an dem er es geführt hatte und erst dann betreten schwieg, als belegt wurde, dass sie just an dem Tag in Gegenwart ihres Anwalts in Zürich ihr Testament verfasst hatte. So jener Reporter, der sich im Dezember 1976 für ein Gespräch mit dem scheuen Star feiern ließ, in dem sie von ihren geheimsten Ängsten und Träumen sprach: "Ich sah einen riesigen Adler über mir kreisen, während ich meinen Sohn David ganz fest im Arm hielt, um ihn vor dem Raubvogel zu schützen".

Wie sich beim Verleumdungsprozess vor Gericht herausstellte, hatte er zuletzt neun Jahre davor mit ihr mal kurz gesprochen und für das erfundene jetzige Interview sein damaliges "eigenes Material durchgelesen, und zwar auf Punkte hin, die man möglicherweise mit aktuellen Dingen in Verbindung bringen könnte". Der Bauer Verlag, in dem das nie stattgefundene Gespräch erschienen war, musste auf Verlangen der siegreichen Klägerin fünftausend Mark an eine Stiftung für notleidende Künstler überweisen.

Die Dinge des Lebens

Die Biografie des nach dem Krieg einzigen deutschen Weltstars ist auch ein Stück deutscher Pressegeschichte und was Romy Schneider betrifft, gibt es in der nur wenige Ruhmesblätter. Sogar ihre Mutter ließ sich vor die Karren spannen und blauäugig durch den dann selbst aufgeworfenen Dreck ziehen. Nach dem Tod ihrer Tochter erschien von ihr eine Bild-Serie unter dem Titel "Leb wohl, Romy".

Verfasst mit Hilfe eines Ghostwriters, was in diesem Fall als Geisterfahrer zu übersetzen ist, in der zum Beispiel zu lesen war: "Das Ende ihrer Ehe kündigte sich vor Millionen deutschen Fernsehzuschauern an. Romy war in Köln, sollte mit Dietmar Schönherr eine Talkshow machen. Am Abend vorher rief sie mich an: Mami, meine Kehle ist wie zugeschnürt, ich bringe da kein Wort heraus. Sie brachte aber dann doch verräterische Worte heraus . . . der Ex-Zuchthäusler Schriftsteller und Schauspieler Burkhard Driest hatte gerade seine unbürgerliche Weltanschauung verkündet, da sagte Romy: Ich mag Sie, ich mag Sie sogar sehr . . ."