Zukunft des Journalismus (21) Gute Storys und Scoops

sueddeutsche.de: Glauben Sie ernsthaft, Blogs könnten jenen Recherchejournalismus ersetzen, der derzeit bei vielen Verlagen gekürzt wird?

Huffington: Blogs liefern natürlich keinen Ersatz für investigative Recherchen - aber sie können, wenn sie es richtig anstellen, eine andere Methode der Hintergrundberichterstattung entwickeln. Im Prinzip geht es doch darum, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, wohin auch immer diese uns führen mag. Außerdem ist es ein Klischee, wenn Sie der Blogosphäre unterstellen würden, sie bestünde nur aus Leuten, die ihre Meinungen in die Welt hinausposaunen wollten. Die US-Präsidentschaftswahlen 2008 haben eindeutig bewiesen, dass es beim Bloggen auch um Expertise und Informationen geht - grafisch oder tabellarisch aufbereitete, destillierte und vergleichende Informationen. Auch die Online-Journalisten hatten gute Storys und Scoops.

sueddeutsche.de: Der Spiegel hat Sie neulich zur "Königin der Blogger" gekrönt, aber geht es Ihnen wirklich nur ums Bloggen?

Huffington: Blogging, also die Echtzeitübertragung von Meinung, ist unbestritten ein wichtiger Teil der HuffPost - immerhin arbeiten inzwischen 3000 Blogger für uns. Aber das ist ja bei weitem noch nicht alles: Die Mischung aus Blogs, Nachrichten, Communities und etlichen anderen redaktionellen Rubriken wie Wirtschaft, Unterhaltung, Medien, Mode, Umweltbewusstsein und Comedy macht uns zu einer waschechten Internet-Zeitung.

sueddeutsche.de: Welche innovative Formen im Netz, außerhalb von Blogs, sind für den Journalismus von Bedeutung?

Huffington: Für eine der aufregendsten Entwicklungen halte ich nach wie vor den so genannten "Bürgerjournalismus" - die Kurzformel für eine Sammlung von Methoden, sich die Kraft der Online-Gemeinschaft, ihr Wissen, ihre Information und ihren Zugang zunutze zu machen.

sueddeutsche.de: Ein Ansatz, der die Standards des Qualitätsjournalismus unterläuft.

Huffington: Ob online oder offline - Journalismus sollte stets nach journalistischen Prinzipien wie Genauigkeit, Fairness und Transparenz streben. Es nutzt aber niemandem, wenn die traditionellen Medien wie besessen sind von ihrer antiquierten Auffassung, sie müssten grundsätzlich immer beide Seiten eines Problems darstellen - selbst wenn die Wahrheit eines Sachverhalts klar und deutlich auf der einen oder der anderen Seite verortet werden kann. Die Wahrheit liegt eben nicht immer genau in der Mitte. Stattdessen lauert sie mitunter irgendwo im Graubereich.

sueddeutsche.de: Da machen Sie es sich zu einfach. Der Leser soll sich frei seine Meinung bilden können.

Huffington: Die Huffington Post vermeidet den irreführenden Weg, sich Nachrichten mit einer Einerseits-andererseits-Haltung zu nähern. Unsere Evolution ist ebenso real und unumkehrbar wie die globale Erwärmung: Da gibt es einfach nichts abzuwägen. Davon abgesehen gaukeln wir auch niemandem vor, keine persönlichen Standpunkte zu haben - wir machen sie dafür transparent.

sueddeutsche.de: Vorerst haben Sie mit der HuffPo ein Geschäftsmodell fürs Blogging etabliert, das es Ihnen immerhin ermöglich, eigene Mitarbeiter mit Büros an mehreren Standorten zu beschäftigen. Wollen Sie demnächst eine eigene Redaktion mit Vollzeitstellen aufbauen?

Huffington: Wir werden weiter wachsen und uns redaktionell vergrößern, soviel steht fest. Dazu gehört, dass wir mehr Reporter fest anstellen und unsere Zusammenarbeit mit den Bürgerjournalisten intensivieren werden. Auch sind wir derzeit dabei, eine Initiative zu gründen, die sich der Förderung des investigativen Journalismus annimmt - eine der ersten Dinge, die von der aktuellen Krise des traditionellen Mediengeschäfts erfasst wurden.

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