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Weltbild und die Bischöfe:"Geld verdienen mit Sex und Porno"

Der Weltbild-Verlag ist ein katholisches Unternehmen und wächst rasant. Zu rasant? Nun erwägen die Bischöfe den Verkauf des Konzerns. Hat der Vertrieb von erotischer Literatur damit zu tun?

Zu den besten Geschäftemachern im deutschen Medienmarkt gehört seit einigen Jahren die katholische Kirche. 14 Diözesen besitzen die Weltbild-Gruppe in Augsburg, die rasant zulegt - und doch denken die katholischen Bischöfe in Deutschland nun über den Verkauf des Konzerns nach.

Weltbild ist als Buchverlag, Buchhändler und Versender aktiv. Die 14 Bistümer und die Soldatenseelsorge Berlin, denen die Augsburger Gruppe gehört, seien nun "in einer sorgfältigen Prüfung der Frage, welche Gesellschafterstrukturen für ein weiteres langfristiges und kontinuierliches Wachstum des Unternehmens sinnvoll sind", teilte das Unternehmen am Montag mit. "Als Ergebnis dieser Prüfung ist auch eine Ergänzung oder Änderung des Gesellschafterkreises möglich."

Im Klartext: Die Kirche stellt Weltbild zum Verkauf.

Eine Frage der Größe

Größe allein hat die Kirche in ihrer 2000-jährigen Geschichte eher selten Schwindelprobleme bereitet - möglich ist aber, dass die Kirche im Fall Weltbild ein Problem der pikanten Art quält: Ein Verlag dieser Größenordnung kann sich der Vielfalt von Themen nicht erwehren. Wer auf buecher.de, einem Ableger der Gruppe, den Suchbegriff "Erotik" eingibt, findet inzwischen 4364 Treffer. Zuoberst: "Die Lehre der Lust. Kleine Hure." Darunter: "Die Unterwerfung der Hure Zarah". Und darunter der Titel: "Geld verdienen mit Sex, Erotik und Porno".

Natürlich werden unter "Top-Themen" auf der Website von Weltbild der Bestseller "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche oder die DVDs der Serie "Sex and the City" offeriert. Kid Rock ist eine große Nummer in der Sparte Musik mit seinem "Rock N Roll Jesus".

Es geht eben sehr weltlich zu bei diesem Unternehmen der Kirche. Es handelt sich insgesamt um einen großen Verbund, bei dem sich Schlüpfriges geradezu sachnotwendig einschleicht. Weltbild ist zum Beispiel am größten deutschen Buchhändler Hugendubel beteiligt; gemeinsam betreiben sie auch Buchhandlungen in den Karstadt-Kaufhäusern.

Die Onlineshops, darunter buecher.de, haben den Umsatz 2007/08 um 37 Prozent auf 451 Millionen Euro gesteigert und stehen inzwischen für 23 Prozent des Umsatzes im Konzern. Zu den 520 Buchhandlungen - darunter 330 unter der Marke Weltbild - sollen noch weitere hinzukommen.

Das vergangene Geschäftsjahr schloss Weltbild mit einem Umsatzsprung um 21 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro ab. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben 7400 Mitarbeiter. Erstmals schlagen im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni) die vollständigen Umsätze einer neuen Tochtergesellschaft zu Buche, die Weltbild zusammen mit dem Münchner Buchhändler Hugendubel betreibt.

Die Braut vor der Kirche

Es ist also eine stolze Braut, die sich hier vor der Kirche präsentiert. Das Handelsblatt zitiert in seiner Montagausgabe eine Sprecherin von Weltbild: "Wir prüfen derzeit eine Reihe von Interessenten." In der Branche gelte Bertelsmann als interessiert. Der Verkaufsprozess könnte sich bis zum nächsten Jahr hinziehen. "Eine Zerschlagung steht nicht zur Diskussion." Man sei gerade dabei, ein neues, gemeinsames Geschäftsmodell für den klassischen Versandhandel und den Onlinehandel umzusetzen.

Über die Gründe, den Augsburger Verlag zu verkaufen, kann nur spekuliert werden: Ist der Konzern einigen Gesellschaftern zu schnell gewachsen? Leidet darunter wirklich das christliche Weltbild des Unternehmens? Wie sehr ist den Katholiken der Vertrieb von erotischer Literatur ein Dorn im Auge?

Der Vorsitzende der Weltbild-Geschäftsführung, Carel Halff, räumte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen ein, die Wachstumsperspektiven seien "über die ursprünglichen Kernvorstellungen der Bischöfe" hinausgegangen.

Das kann nur heißen: Die katholische Kirche ist vom eigenen Erfolg überrollt worden.