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Vorschlag-Hammer:Wer A sagt, muss BB sagen

Brecht, der kluge, revolutionäre Geist ist wieder hoch aktuell dieser Tage. Dies liegt auch an einer Partei rechts außen

Kolumne von Susanne Hermanski

Wer A sagt, muss nicht B sagen", sagte Bertholt Brecht - der sich selbst der "arme BB" nannte, in einem autobiografischen Gedicht - "er kann auch erkennen, dass A falsch war." Das Zitat kommt auch in Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm vor, der derzeit im Kino läuft. Wie meisterlich und virtuos der Regisseur und Autor Joachim A. Lang dabei zu Werke geht, ist vielleicht jenen leichter ersichtlich, die schon mal was vom "V-Effekt" gehört haben, als absoluten Brecht-Anfängern. Doch wer einsteigt, wird belohnt. Brecht baute auf den "Verfremdungseffekt", um die Menschen aus ihrem Tran zu reißen, ihren Blick zu schärfen - sie zum "Perspektivwechsel" zu animieren, wie man das heute wohl lieber nennt.

Brecht, der kluge, revolutionäre Geist ist jedenfalls wieder hoch aktuell dieser Tage. Eine Partei rechts außen sammelt Stimmen. Künstler aller Genres trommeln ihre Fans dagegen zusammen und kämpfen "mit Herz" und einem Musikvideo. Der kleine You-Tube-Film Mia ned! ist augenblicklich viral gegangen, nachdem er am Wochenende online gestellt worden ist. Etwa zur selben Zeit, als Joachim Lang und Christian Stückl, der Intendant des Volkstheaters, im Kino Münchner Freiheit (nomen est omen) noch diskutierten, wie man ihn am besten inszenieren sollte, diesen Brecht. Denn auch Stückl hat sich an die Dreigroschenoper gemacht. Seine, schon ältere Version ist am 10. Oktober wieder am Volkstheater zu sehen (19.30 Uhr). Der Vergleich lohnt sich.

Zwischendrin lässt es sich sogar noch vom Sofa aus eintauchen in die Brecht'sche Welt der wilden Zwanzigerjahre, ihre ahnungsschwangeren Melodien, fiebrigen Tänze und verzweifelten Proteste. Denn Babylon Berlin ist nun in der ARD angelaufen. Am Donnerstag (20.15 Uhr) werden die nächsten drei Folgen ausgestrahlt. Einer der späteren Serienteile spielt just während der skandalumwitterten Uraufführung der Dreigroschenoper im Theater am Schiffbauerdamm vor 90 Jahren. Und wer sie sieht, mag Brecht folgen: Wer A sagt, muss nicht "fD" sagen. Er kann auch erkennen, dass die Alternative woanders liegt.

© SZ vom 02.10.2018
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