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Vorschlag-Hammer:Im Dschungel Oberbayerns

Derzeit gibt es zwei gute Theatergründe, um nach Wasserburg zu fahren

Vom Theater Wasserburg hört man immer wieder die erstaunlichsten Sachen. Und in den allermeisten Fällen ist man dann auch sehr glücklich, wenn man sich dort eine Produktion anschaut. Auf keinen Fall verpassen sollte man zum Beispiel den Kirschgarten in der Inszenierung von Uwe Bertram, ein herrlich kluges Spiel in einer DDR-Gartenlaube voller Anspielungen auf Gegenwärtiges und Vergangenes, auf Ostmentalität und noch dazu ein wunderbarer Liederabend.

Bevor der "Kirschgarten" am 17. November wiederaufgenommen wird, kann man sich aber an der jüngsten Inszenierung dort erfreuen, die vor ein paar Tagen Premiere hatte. Das Dschungelbuch, aber für Erwachsene. Poesie ist da schon auch drin, dafür sorgt allein schon die Musik. Aber im Grunde geht es in der Textfassung von Frank Piotraschke und in der Regie von Bertram um Dschungel als Metapher. Metapher für Großstadt, ein wirres Durcheinander, Mowgli im Rauschen der Welt. Wie heißt doch gleich wieder das Gesetz des Dschungels? Eben: fressen und gefressen werden. Überleben in der gierigen Masse, in der jeder sein Fortkommen sucht. Mowgli findet, er wird das schaffen, er gehört genau hier her. Mit dieser Meinung steht er zunächst recht allein da. Vielleicht war schon bei Rudyard Kipling der Dschungel eine Metapher - und die Lieblichkeit der Zeichentrickverfilmung war ohnehin nur die falsche Tünche.

Ein Grund, nach Wasserburg zu fahren, war übrigens auch immer der sehr gastfreundliche Wirt des angegliederten italienischen Lokals, aber den zog es nach vielen Jahren in Oberbayern wieder in seine Heimat zurück. Doch für Ersatz wird gesorgt, ein bisschen moderner vielleicht, aber wer den Wasserburger Intendanten Uwe Bertram kennt, kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es nicht auch in Zukunft dort etwas gutes zu essen geben wird. Theater als umfassendes, sinnliches Erlebnis, so in etwa.