Vorschlag-Hammer Bewegte Bilder

Das deutsche Filmgeschäft wird es nie zu etwas bringen, wenn nicht endlich ein paar mehr Leute in "Colonia Dignidad" von Florian Gallenberger gehen

Von Susanne Hermanski

Am Donnerstag sind allein 14 Filme im Kino angelaufen. Darunter solche Muss-Stücke für Cineasten wie Trumbo (Termine in der Liste). Dalten Trumbo war ein Drehbuch-Star in Hollywood, der sich während der Kommunistenhatz durch McCarthy ein Berufsverbot einhandelte, unter falschem Namen weiterschrieb und schließlich gar für Stanley Kubricks Monumentalschinken "Spartacus" das Script verfasste, in dem Kirk Douglas den heilig-heroischem Anführer des Arbeiter-, Verzeihung, Sklavenaufstands spielte. Außerdem läuft gerade noch Hail, Caesar!, in dem die Coen-Brüder nicht nur Sandalenfilme wie "Spartacus", sondern das gesamte US-Filmbusiness auf den Arm nehmen. Das deutsche Filmgeschäft wird es unterdessen nie zu etwas bringen, schon gar nicht zu einer so herrlichen Persiflage über seine eigene Historie, wenn nicht endlich ein paar mehr Leute in Colonia Dignidad von Florian Gallenberger gehen (Termine unten).

Denn Gallenberger beweist darin nicht nur den Mut, ein so diffiziles Thema in die vereinfachte Genreform zu gießen - schon bei dem Gedanken bekommen die meisten seiner deutschen Kollegen Panikattacken. Mit der Besetzung (Emma Watson neben Daniel Brühl) und dem tollen Look seines Thrillers zeigt der Kurzfilm-Oscar-Preisträger auch unverhohlen internationale Ambitionen. Wenn der Film nun an den Kinokassen nicht richtig funktioniert, wagt sich wieder auf Jahre kein Produzent an ein vergleichbares Projekt, und die Provinzialität des deutschen Kinos zementiert sich weiter. Ja, auch beim Kauf einer Eintrittskarte gilt es, nicht nur ans eigene, kurzfristige Vergnügen zu denken .

Zum Ausgleich der Finanzlage kann ich auch etwas Kostenloses aus dem Bewegt-Bild-Schatz anbieten: Ben Goossens filmische Installation in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Die trägt den Titel Lucid Liquid und wird am Dienstag, 15. März, 19 Uhr, der Öffentlichkeit erklärt. Die gesamte Ausstellung zu Goossens Arbeit ist bis 30. April bei freiem Eintritt zu sehen (dienstags bis donnerstags 11 bis 17 Uhr, freitags bis 16 Uhr). Goossens erhielt 2014 den Kunstpreis der Akademie der Schönen Künste. Er wurde 1982 in München geboren und schloss an der Akademie der Bildenden Künste in der Bildhauer Klasse von Stephan Huber ab. Goossens erschafft Räume aus Licht und Klang, lässt diese zerbersten oder öffnet sie hin zur Unendlichkeit. In "Lucid Liquid" wabern durch seine Architektur Rauch, Nebel, Wasser und andere Substanzen - oft entgegen der Gesetze der Schwerkraft. Das ist Science Fiction der kunstvollsten Art.