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US-Musiklegende Gil Scott-Heron:Der "Godfather of Rap" ist tot

Er war einer der wichtigsten Wegbereiter für den Rap: Der US-Musiker Gil Scott-Heron ist im Alter von 62 Jahren in einem Krankenhaus in New York gestorben. Nach Angaben einer Freundin erkrankte er, nachdem er von einer Europareise zurückgekehrt war.

Der US-Musiker Gil Scott-Heron, der als "Godfather of Rap" bekannt wurde, ist im Alter von 62 Jahren in New York gestorben. Das berichtet die Nachrichtenagentur dapd und beruft sich dabei auf eine Freundin des Künstlers.

Gil Scott-Heron, AFP

Gil Scott-Heron bei einem Konzert im Jahr 2010: Mit dem Album "I'm New Here" gelang ihm im vergangenen Jahr ein Comeback.

(Foto: AFP)

Demanch erkrankte der 62-Jährige, nachdem er von einer Europa-Reise zurückgekehrt war. Sein britischer Verleger Jamie Byng verbreitete die Meldung von Scott-Herons Tod über seinen Twitter-Account: "Ich erfuhr gerade von der traurigen Nachricht, dass mein lieber Freund und einer der inspirierendsten Menschen, die ich kenne, der große Gil Scott-Heron heute gestorben ist", schrieb er in der Nacht auf Samstag.

Scott-Heron nahm in den 1970er Jahren in Harlem den legendären Song "The Revolution Will Not Be Televised" auf - ein klassischer Protestsong, in dem Scott-Heron zu afrikanischen Trommeln Sprechgesang vortrug. Zwar lehnte der Musiker selbst die Bezeichnung "Godfather of Rap" ab, doch sollte er mit diesem Stil maßgeblich die kommende Rap- und Hiphop-Bewegung beeinflussen - lange bevor dies Grandmaster Flash oder die Sugarhill Gang taten.

Scott-Heron wurde am 1. April 1949 in Chigago geboren, in seiner Kindheit lebte er einige Jahre bei seiner Großmutter in Lincoln, Tennessee. Die aktive Bürgerrechtlerin sowie die Beatpoeten der sechziger Jahre prägten Scott-Herons künstlerische Tätigkeit maßgeblich. In der Metropole New York sollte er später mehfach offenem Rassismus ausgesetzt sein.

Die meisten seiner frühen Gedichte richteten sich an die Schwarzen in Amerika und riefen zur Revolution auf. Scott-Heron verstand darin aber nicht Kampf und Umsturz, sondern einen Wandel im Denken, hin zu mehr Bewusstsein, auch und gerade schwarzem Bewusstsein.

So wollte er auch sein wichtigstes Werk verstanden wissen, "The Revolution Will Not Be Televised". In dem zunächst als Gedicht veröffentlichten Text kritisierte er die aus seiner Sicht weiße Dominanz der damaligen Medienwelt in den USA und rief die Schwarzen auf, das nicht zu akzeptieren. Dabei parodierte er damals bekannte Werbesprüche und wandelte sie in Revolutionsaufrufe um. "Die Revolution wird nicht im Fernsehen gesendet", heißt es im Refrain, "die Revolution wird live sein".

Das Gedicht vertonte er mit seinem typischen Sprechgesang als Einleitung für das Debüt-Album "Small Talk At 125th And Lennox", das er gemeinsam mit dem Musiker Brian Jackson im Jahr 1970 veröffentlichte. Scott-Heron wurde für einen Stil bekannt, den er selbst manchmal als Bluesology bezeichnete. Er verband minimalistische Schlagzeuggeräusche mit sogenannten Spoken-Word-Performances (gesprochene Texte), die politisch angehaucht waren.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten machte er vor allem mit Drogendelikten Schlagzeilen. Insgesamt nahm er mehr als ein Dutzend Alben auf. 2010 feierte er ein Comeback mit dem Album "I'm New Here". Im Frühjahr 2011 Vor kurzem veröffentlichte er in Kooperation mit dem Jungstar Jamie Smith von The XX das von Kritikern hochgelobte Album "We're New Here", auf dem Smith unter anderem Gesangsspuren von Scott-Herons Debütalbum mit dem typischen Sound von The XX vermischt.

© sueddeutsche.de/dapd/dpa/hai/woja
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