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TV-Kritik: "Jetzt wird eingeseift!":Dschungelcamp auf Eis

Hugo Egon Balder schimpft gerne über Trash im Fernsehen: In der Sat.1-Wintershow "Jetzt wird eingeseift!" bewies er zusammen mit Hella von Sinnen, dass es noch viel schlechter geht.

Kürzlich sprach Hugo Egon Balder über Pläne zu einer neuen Show, in der sich Prominente betrinken sollten, Arbeitstitel: "Der Klügere kippt nach". Das war weniger als ernsthaftes Vorhaben denn als Kritik an konzeptionellen Nullnummern wie dem RTL-Dschungelcamp gedacht, eine Sendung, die Balder noch nie gesehen haben will: "Ich lese das in der Zeitung und guck' mir den Björn-Hergen Schimpf an, den ich ja lange kenne, und denke mir, Mensch ist das 'ne arme Sau."

Im Hasenpelz: Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder versuchen sich an guter Unterhaltung.

(Foto: Foto: Sat.1)

Ob schlechtes Fernsehen oder dumme Esoterik-Bücher: Der Moderator und TV-Produzent Hugo Egon Balder gefällt sich in der Rolle des Kulturkritikers. Wenn er über andere schimpft, wächst er über sich hinaus und wird zum Showbusiness-Weisen "Ego Hugon", wie Thomas Gottschalk ihn mal versehentlich nannte.

Doch man sollte diesen Ego Hugon lieber an Taten denn an Worten messen: Am Samstagabend moderierte Hugo Egon Balder nämlich zusammen mit Hella von Sinnen die Wintershow "Jetzt wird eingeseift!" auf Sat.1. Wenn es das ist, was er sich unter "guter Unterhaltung" vorstellt, dann ist Herr Balder wirklich ein origineller Denker.

Das "Konzept" dieser Spielshow bestand darin, gleich zwei Ideen von Stefan Raab zu plagiieren und sie zu einem Format zu verschmelzen: Wie bei der Wok-WM trieben so genannte Prominente Wintersport und wie bei "Schlag den Raab" traten sie in einem Mehrkampf aus skurrilen Disziplinen gegeneinander an. Anders als bei Raab ging es um nichts, weder um Geld noch um Ehrgeiz-Befriedigung.

Bei den Teilnehmern handelte es sich weniger um Prominente als um die unteren Ränge der Warteliste für besagtes Dschungelcamp: Ex-Fußballer Thomas Helmer, eine Nachmittags-Talkerin, der Küchenutensilienherstellerkappenträger Axel Schulz und weitere Schneekanonen wie der Liedermacher Heinz Rudolf Kunze, der sich mittlerweile wohl auch über singfreie Einladungen freut, mühten sich beim Schneeball-Zielwurf, Biathlon oder Doppelrodeln ab.

Es war ein großes Kreischen und desorientiertes Herumirren auf Eis und Kunstschnee, und man war dankbar für jede überstandene Minute: Außer der Absicht, darüber zu berichten, gibt es keinen Grund zuzusehen, wenn ein pinkfarbener XXL-Plüschhase (Co-Moderatorin Hella von Sinnen) im Kettcar über eine Eisfläche fährt und Sirenenschreie ausstößt, während Menschen, von denen man nicht weiß, warum sie einen interessieren sollen, Curlingsteine weit am Zielfeld vorbei schieben. Kurz: eine Show so frisch und knackig wie eine Tiefkühlpizza, haltbar bis Frühlingsanfang.

Dementsprechend war sie auch eine Woche zuvor aufgezeichnet worden, im bekannten Wintersportort Flensburg.

Hugo Egon Balder gelang es nicht, die Veranstaltung durch seine Moderation zu ironisieren, denn Humor besteht für ihn etwa in dem Kommentar, Herr Schulz sei "auf die Fresse gefallen". Da wurde klar, warum Balder sich das RTL-Dschungelcamp nie anschauen musste: Am Samstagabend dirigierte er selbst eine frostige Variante davon. Wenn Björn-Hergen Schimpf zugesehen hat, sollte er sich also mit einer Portion Mitleid revanchieren. Und wenn der Klimawandel Fernsehen guckt, bestraft er uns wohl allein schon wegen solcher Sendungen mit lebenslänglichem Schneeentzug.

© sueddeutsche.de/grc
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