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TV-Eklat: Bublath und Hagen bei "Maischberger":Ausweitung der Fluchtzone

Ein Prinzip macht Schule - schon wieder verlässt ein Gast eine Talkshow: Joachim Bublath bricht seinen Auftritt bei "Maischberger" ab, weil Nina Hagen ihn mit Theorien über Außerirdische nervt.

Christian Kortmann

Ein wunderbar weltfernes Thema, weitab von Innenpolitik und zeitgeschichtlicher Problematik: Am Dienstagabend ging es im ARD-Talk "Menschen bei Maischberger" um die Frage: "Ufos, Engel, Außerirdische - sind wir nicht allein?" Nach DFB-Pokal und Mitternacht sollte sich hier doch wohl eine entspannte Plauderei über unsere skurrile Situation im Universum und die Zukunft von Elvis Presley entfalten.

Wollte der "Therapiesitzung" für Nina Hagen (links) nicht länger beiwohnen: Joachim Bublath (stehend). Zu den weiteren Gästen von Sandra Maischberger (3.v.r.) zählten der Leiter der parapsychologischen Beratungsstelle Freiburg, Walter von Lucadou (2.v.l.), sowie der Autor Johannes von Buttlar (von hinten, 2.v.r.) und die "Engel-Expertin" Sabrina Fox.

(Foto: Foto: WDR)

Aber dann kam alles ganz anders: Unter anderem waren nämlich Joachim Bublath und Nina Hagen geladen, als Antipoden direkt nebeneinander platziert: rationaler ZDF-Wissenschaftsjournalist der eine ("Wir müssen die Aufklärung verteidigen"), Ufo-Gläubige und kosmisch Erleuchtete die andere. Eigenen Angaben zufolge erforscht die Musikerin gerade das Schicksal der terrestrischen Entführungsopfer von Außerirdischen: "Die Aliens haben bei einer Frau das gesamte Blut ausgetauscht", sagte sie und vermengte die außerirdische Bedrohung recht wirr mit Satan, George W. Bush und Kolonien auf dem Mars.

Als sie merkte, dass der wiederholt schmunzelnde Bublath ihre Theorien nicht ernst nahm, wechselte sie demonstrativ den Platz im Gesprächskreis. Mit Sicherheitsabstand und von den hemmenden Vibrationen der Vernunft befreit, steigerte sie sich nun um so intensiver in ihr Mantra von Satan, George W. Bush und - Sie wissen schon - Kolonien auf dem Mars hinein.

Nach gut 50 Minuten dieses Schauspiels, der sogenannten Eva-Prinzip-Schwelle, wurde es wiederum Bublath zu bunt: Nun erhob er sich - selten glich eine Talkshow so sehr dem Kindergeburtstagsspiel Reise nach Jerusalem. Unter dem Bedauern von Sandra Maischberger verließ Bublath das Studio und verabschiedete sich mit den Worten, er habe nicht gewusst, dass es sich um eine öffentliche Therapiesitzung handele. Solch ein spontaner Abgang ist, wenn persönlich auch nachvollziehbar, von der Wirkung her heikel: Bublath wirkte souveräner, als er Nina Hagens Alien-Hypothesen einfach weglächelte.

Zwar war Bublath längst aus dem Bild verschwunden, doch Nina Hagen feixte ihm immer noch hinterher, wie ein Kindergartenkind, das ein anderes aus dem Sandkasten verjagt hat. Während der gesamten Sendung gab sie die schwererziehbare Göre, und Sandra Maischberger ließ sie wie eine tolerante Gouvernante gewähren. Schließlich wusste sie, worauf sie sich mit der Einladung von Nina Hagen eingelassen hatte: Vor zwei Jahren hatte Hagen bei "Maischberger" die Körperstatur von Jutta Ditfurth, die ihr ähnlich kritisch entgegentrat wie Bublath, thematisiert.

Als Sandra Maischberger in ihrer Schlussmoderation sagte, sie habe gemerkt, dass in Nina Hagens Kopf einiges durcheinandergehe, da zürnte diese und schoss schärfste Blicke aus den dunklen Augen ab. In diesem Moment durfte sich die Moderatorin glücklich schätzen, nicht von Nina Hagen aus der eigenen Sendung geworfen zu werden. Maischberger sparte nicht mit Selbstkritik, man habe den Zuschauer mit diesem Spektakel zwar lange wach gehalten, das Ergebnis sei aber wenig erhellend gewesen.

Wie ernst ihr das war, belegte die Geste während der aufblendenden Abspannmelodie: Wann sieht man eine Moderatorin schon nach getaner Arbeit die Hand vor den Kopf schlagen?

Die besprochene Sendung "Menschen bei Maischberger" wird am Samstag, dem 3. November, um 23.30 Uhr in 3sat wiederholt.

© sueddeutsche.de/cmat
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