Taschenbücher:Neues aus Mauldawien

Abenteuer kann es in der Wildnis aber auch zu Hause geben. So erlebt ein wildes Mädchen die Trennung seiner Eltern,und ein Junge erfährt in Kanada die Geschichte des Vaters.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Weil die zehnjährige Paulina "das Maulen zur Kunst erhoben" hat, wird sie "Maulina" genannt. Wortreich und in einer wunderbar kreativen Sprache lässt der Autor Finn-Ole Heinrich seine Heldin ihren Zorn und ihre Trauer über den Verlust ihres geliebten Zuhauses, genannt "Mauldawien", herausschreien. Alles Unglück lastet sie dem Vater an, der die Familie verlassen hat und nicht mitzieht in das "mickrige Plastikhaus am Arsch der Welt". Der einzige Vorteil des Umzugs ist, dass Maulina einen kürzeren Weg zu ihrem geliebten, verrückten Großvater hat, den sie nun öfter besuchen kann. Auch die neue Schule ist eine Zumutung. Erst als sich herausstellt, dass Paul aus ihrer Klasse in einem Wohnheim am Ende der Straße lebt und sie den gleichen Schulweg haben, kann sie sich mit der neuen Situation anfreunden. Doch als ihr Vater mit einer anderen Frau auftaucht, dreht Maulina völlig durch, und endlich erklärt ihr die Mutter, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt sei, sie sich deshalb von Maulinas Vater getrennt habe, und es nötig war, in das behindertengerechte Haus zu ziehen.

Trotz aller Probleme haben wir es hier nicht mit einem "Problembuch" zu tun, denn Maulina erzählt ihre Geschichte in einer so witzigen und munteren Sprache. Und durch die aufwendigen zweifarbigen Bilder der Isländerin Rán Flygenring kommt das Buch sehr originell und fröhlich daher.

(ab 9 Jahre) Finn-Ole Heinrich / Rán Flygenring: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt - Mein kaputtes Königreich. dtv Reihe Hanser (62718), München 2019. 176 Seiten, 7,95 Euro.

Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort hoch im Norden von Kanada und wird aus der Sicht von Jeremy erzählt, der seit dem Tod seines Vaters allein mit seiner Mutter lebt. Jeremys bester Freund ist Justin, der ihn eines Tages auffordert, einen streunenden Hund am Schwanz zu ziehen, sozusagen als Mutprobe. Doch der Hund lässt sich streicheln, und Jeremy findet sich gemein, als er ihn am Schwanz zieht. Am nächsten Tag sucht er nach ihm und findet ihn neben einer alten Hütte am Waldrand, in der ein alter Mann wohnt. Er scheint Jeremy zu kennen und erzählt ihm, dass er früher Schlittenhunde hatte. Jeremy beschließt, auch ein Hundeteam aufzubauen. Damit beginnt ein neues Leben voller Abenteuer, und er erfährt endlich, dass der alte Mann sein Großvater ist, und dass sein Vater bei einem Ausflug mit dessen Hunden ums Leben kam. Eine schöne, spannende Wintergeschichte, in der Jeremys Zuneigung zu den Hunden im Mittelpunkt steht. (ab 11 Jahre)

Miriam Körner: Winterdogs. Aus dem Englischen von der Autorin. Oetinger TB (0585), Hamburg 2019. 238 Seiten, 11 Euro.

© SZ vom 03.01.2020
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