Taschenbücher:Für politisch Interessierte

Das Jugendbuch von Gavriel Savit erzählt die Geschichte eines Mädchens, das im Zweiten Weltkrieg gerettet wird. Ute Krause schreibt für jüngere Kinder über eine Flucht aus der DDR.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Die 7jährige Anna lebt mit ihrem Vater, einem jüdischen Professor, in Krakau. Als er im Jahre 1939 nicht aus der Uni zurückkommt, geht Anna - wie verabredet - zum Apotheker, um auf ihn zu warten. Doch der Vater holt sie nicht ab, und der Apotheker will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Da wird sie von einem fremden Mann angesprochen und folgt ihm, denn es geht etwas von diesem ernsten, charismatischen Menschen aus, das ihr Vertrauen einflößt. Er spricht nicht nur viele Sprachen, er kann sich auch mit Vögeln verständigen und sie zu sich heranzwitschern. Deshalb nennt Anna ihn "Schwalbenmann". Warum er auf der Flucht ist, wird nie enthüllt, und bis zuletzt bleibt er geheimnisvoll und seltsam widersprüchlich. Doch gerade diese ambivalente Stimmung macht den Zauber dieses erstaunlichen Debüt-Romans aus und treibt den Leser noch lange um.

Vier Jahre lang verstecken sich die beiden vor Deutschen, Polen und Russen in den Wäldern Polens und lernen auf immer neue Weise zu überleben. Am Ende setzt der Schwalbenmann seine Anna zu einem Fischer in ein Boot und verschwindet aus ihrem Leben. (Ab 14 Jahre und Erwachsene)

Gavriel Savit: Anna und der Schwalbenmann. Aus dem Englischen von Sophie Zeitz. Cbt (31167), München 2018. 273 Seiten, 9,99 Euro.

Als Paul erfährt, dass seine Eltern jetzt ohne ihn im Westen leben, fühlt er sich verraten und verlassen. Sie waren bei einem Fluchtversuch geschnappt worden und ins Gefängnis gekommen, nun aber freigekauft und aus der DDR abgeschoben worden. Er lebt zwar gerne bei seiner Oma, denn sie ist eine besondere und mutige Frau und hatte ihn aus dem schrecklichen Kinderheim befreit, in das er nach dem Fluchtversuch der Eltern gesteckt wurde. Auch sein Onkel Henri litt unter dem Fluchtversuch seines Bruders, denn er musste sein Archäologie-Studium abbrechen und arbeitet nun als Nachtwächter im Pergamon-Museum in Ostberlin.

Für Paul und seine Freundin Millie ist dies ein wunderbarer und geheimnisvoller Ort, doch sie geraten in ein gefährliches Abenteuer, das gut endet, denn Pauls Oma und Onkel Henri ist es gelungen, Pauls Ausreise zu seinen Eltern zu ermöglichen.

Ute Krause hat für dieses Kinderbuch sehr gut recherchiert, und es gelingt ihr, den komplexen, zeitgeschichtlichen Hintergrund der Geschichte durch eine spannende Handlung für ihre Leserinnen und Leser begreifbar zu machen. (ab 10 Jahre)

Ute Krause: Im Labyrinth der Lügen. Cbj (22654), München 2018. 288 Seiten, 8,99 Euro.

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