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Subkultur:Irrfahrt durch das Weltall

"Spacepilot" - das sind der Pianist Leo Genovese (l.), Schlagzeuger Joe Hertenstein (r.) und der Münchner Gitarrist Elias Meister (oben).

(Foto: Elias Meister)

Die New Yorker Band "Spacepilot" mit dem Münchner Gitarristen Elias Meister im Import Export

Unsere Musik ist vollständig improvisiert. Wir haben noch nie geprobt", erklärt der aus München stammende Gitarrist Elias Meister den Umstand, warum seine New Yorker Band Spacepilot ihr erstes Album "Exophonia, live at Nublu" in einem New Yorker Club live eingespielt hat. Entwickelt hat sich die Band aus einem Projekt, das der 2004 für sein Jazzstudium nach Boston gezogene Meister mit einem befreundeten Synthesizer-Spieler in New York startete. Für einen Auftritt luden sie den ebenfalls aus Deutschland stammenden Schlagzeuger Joe Hertenstein dazu. Hertenstein blieb, der Mann am Synthesizer wechselte, und schließlich komplettierte der argentinische Jazzpianist Leo Genovese das Trio, das sich sodann den Bandnamen Spacepilot gab. Immerhin, so hatten es vor Jahren bereits Andreas Ammer, FM Einheit und Ulrike Haage in ihrer Radio Space Opera "Odysseus 7" thematisiert, ist die Raumfahrt ja das letzte Abenteuer der Menschheit. Und tatsächlich wirkt die Musik von Spacepilot wie eine abenteuerliche Irrfahrt durch das Weltall, in welchem die Hörer von jeder Schwerkraft befreit schweben und tanzen. Der Name verweist auch auf Meisters Interesse an Kosmologie, das letztlich auch Musiktitel wie "Twin Quasar", "Amalthea" oder "Cygnus" hervorzubringen vermag. Vor allem steht er aber für jene unendlichen Weiten, die die drei Wahl-New-Yorker in ihrem Stammclub Nublu genießen, in dem sie ihr bemerkenswertes Debütalbum aufgenommen haben.

Das Nublu gibt es seit zwölf, dreizehn Jahren in der Lower Eastside in Manhattan. Mindestens zwei Bands spielen hier täglich. Dazu kommen noch tolle DJs. Einmal im Jahr macht dort Moby legendäre Partys. Thom Yorke feierte hier seine Aftershow. Selbst ein Lou Reed saß hier schon an der Bar. "Und die Sängerin Norah Jones ist hier groß geworden", schwärmt Hertenstein. Der Club-Betreiber Ilhan Ersahin ist selbst Musiker und vermischt mit seinem Einblick in die Szenen vorbildlich das Establishment mit der jungen Generation. "Da kann man auch als unbekannte Band noch das Acht-Uhr-Set spielen, und um Mitternacht spielt da das Sun Ra Arkestra", sagt Hertenstein, der selbst durchschnittlich zweimal pro Monat im Nublu auftritt. "Es ist ein toller Ort, wo sich Bands erst entwickeln. Manche Band, wie zum Beispiel die Nerves, spielen hier auch mal eine ganze Woche lang ihr neues Set, bevor sie damit auf Tournee gehen", bestätigt Meister die Begeisterung fürs Nublu, das der Clubbetreiber selbst einmal wie folgt beschrieb: "Ich bin aus Schweden, habe einen türkischen Namen, bin mit einer Brasilianerin verheiratet und lebe in New York. Nublu ist, was ich bin: ein Zusammenwirken von allem." Das Zusammenwirken von allem prägt auch die Musik von Spacepilot, die gleichermaßen Tanzmusik ist wie sie dem Zuhörer psychedelische Erlebnisse offenbart.

Ihr erstes Konzert in Deutschland spielten Spacepilot am vergangenen Wochenende im niederrheinischen Moers, wo am Pfingstwochenende ein international renommiertes Jazz-Festival stattfindet. In dem Zusammenhang lebt dort zur Zeit die befreundete Komponistin Carolin Pook als sogenannter Improviser in Residence. Als solcher lud sie Spacepilot zu einem gemeinsamen Konzert ins Vorprogramm des Festivals, das die Band trotz der aktuellen Finanzierungsschwierigkeiten unbedingt bewahrt wissen will: " Auch wenn man es künstlich beatmen muss. Aber die meiste Kultur wird ja subventioniert", sagt Hertenstein. Über die Finanzierung des eigenen Lebens vor allem in einer teuren Stadt wie New York sagt er: "Jeder Kreative muss auch in der Lebens-Bewerkstelligung so kreativ sein wie auf der Bühne".

Spacepilot, Donnerstag, 12. Oktober, 21 Uhr, Import Export, Dachauerstr. 114