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Strafanzeige wegen Kinderbuch:"Parallelen zum Stürmer"

Das Kinderbuch "Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel" erntet massive Kritik. Jetzt hat die Kirche Strafanzeige erstattet.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat wegen eines Kinderbuchs über die drei Weltreligionen Strafanzeige wegen Volksverhetzung erstattet. Auf Antrag des Bundesfamilienministeriums wird das Buch "Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel" vom Aschaffenburger Verlag Alibri bereits von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) geprüft.

Parallelen zum "Stürmer"? Die Diözese Rottenburg hat rechtliche Schritte eingeleitet.

(Foto: Foto: oH)

Die Diözese hält das Buch für antisemitisch, wie Sprecher Thomas Broch am Donnerstag in Rottenburg sagte. "Es geht insbesondere um die Darstellung eines Rabbiners. Wenn Sie da den Stürmer danebenlegen, erkennen sie durchaus Parallelen." Der Stürmer war ein antisemitisches Hetzblatt der Nationalsozialisten.

Broch, der die Strafanzeige im Namen der Diözese bei der Staatsanwaltschaft in Aschaffenburg bereits im Dezember erstattet hat, meint. "So etwas ist nicht hinnehmbar." Er rechne nicht mit einem schnellen Ergebnis der Ermittlungen, sagte Broch. Alibri-Verlagsleiter Gunnar Schedel hatte die Vorwürfe als Verleumdung zurückgewiesen.

Die Bundesprüfstelle will nun am 6. März entscheiden, ob das Kinderbuch auf den Index kommt. Auch das Bundesfamilienministerium hatte judenfeindliche Tendenzen ausgemacht. "In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht", heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die BPjM vom 21. Dezember 2007. Das Judentum werde "als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt".

Das 20-seitige Buch ist seit vergangenem Oktober auf dem Markt. Die Geschichte erzählt von einem Ferkel und einem Igel, die ein Plakat entdecken, auf dem geschrieben steht: "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" Deshalb macht sich das Duo auf den Weg, Gott zu suchen. Die Frage, ob einem religionslosen Kind etwas fehle, werde dabei "aus der Perspektive des weltlichen Humanismus beantwortet", hieß es seitens des Verlages, der für religions-, kirchen- und kulturkritische Schriften bekannt ist.

© sueddeutsche.de/dpa/kur
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