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Spiel: "Der Pate":"Ich mache Dir ein Angebot, dass Du nicht ausschlagen kannst!"

Wenn Vito Corleone persönlich spricht, wird zugehört. Und wenn Marlon Brandos Stimme flüstert, dass man ab sofort zur Familie gehört, dann gibt es dagegen nichts einzuwenden. Capice?

Es ist eine der beeindruckendsten Trilogien in der Filmgeschichte: "The Godfather" - oder zu deutsch: "Der Pate" - gehört zu jedem Kanon der Filme, die man unbedingt gesehen haben muss. Marlon Brando, Al Pacino und Robert DeNiro haben sich mit den Filmen genauso ein Denkmal gesetzt wie Regisseur Francis Ford Coppola.

Der Pate

New York 1945: Die Stadt schreit nach Kontrolle.

(Foto: Foto: EA)

Wenn man die Geschichte der Corleones als Computerspiel herausbringen möchten, dann muss man es richtig machen. Mit diesem Ehrgeiz ging Hersteller Electronic Arts das Projekt an und investierte eine dreistellige Millionensumme in die Realisation. EA kaufte die Filmerechte, sogar Marlon Brando wurde kurz vor seinem Tod engagiert, um Don Vito noch einmal seine markante Stimme zu leihen.

Die Geschichte ist angesiedelt zwischen Teil zwei und drei der Trilogie: Der Spieler verliert seinen Vater durch einen eiskalten Mord einer befeindeten Familie und steht deshalb ohne Schutz da. Die Mutter bittet Don Vito, ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Man soll alles lernen, um später einmal selbst einen guten Don abzugeben.

Dazu gehört nun einmal, zuerst die Drecksarbeit auf der Straße zu erledigen: kleine Prügeleien, Erpressen von Schutzgeld, Botendienste durch Manhattan. In diesen Sequenzen kann sich der Spieler mit der Steuerung vertraut machen, das Schießen lernen, das adäquate Verhandeln, das Lenken der klobigen Oldtimer.

Diese Fähigkeiten werden nach der Einführungssequenz abgefragt. Die feindlichen Familien nämlich töten zuerst den Consigliere, anschließend auch den Paten selbst. Nun ist der Spieler auf sich allein gestellt, und hier hören auch die Parallelen zur Film-Trilogie auf.

Fans der Filme werden ein wenig enttäuscht sein, dass nur wenige der Charaktere im Spiel vorkommen und dann auch nur kurz. Das ist jedoch gewollt und gibt dem Spiel zusätzliche Würze. Viele Computerspiel-Versionen von Filmen sind allzusehr darauf bedacht, alle Film-Charaktere unterzubringen und vergessen darüber, eine anständige Geschichte zu erzählen und spannende Elemente einzubauen.

Das schafft Electronic Arts mit "Der Pate". Die einzelnen Missionen sind abwechslungsreich, der Schwierigkeitsgrad steigt mit der Zeit beträchtlich. Zwischen den einzelnen Aufgaben kann sich der Spieler frei in New York bewegen. Er kann Geschäfte in Little Italy erpressen, einen Abstecher nach Brooklyn machen oder Lieferwagen feindlicher Familien hochgehen lassen.

Dennoch werden Elemente der Trilogie nicht vergessen: So muss der Spieler in einer Mission einen Pferdekopf stehlen und ihn an geeigneter Stelle platzieren. Das macht Spaß und erinnert sehr an den Style der "Godfather"-Trilogie.

Interessant dabei: Kaum eine Aktion bleibt ohne Folgen. Ein getötetes Mitglied einer feindlichen Familie sorgt zwar für Ansehen bei den Corleones, kann aber auch einen Bandenkrieg auslösen, der tödlich endet. Einen Polizisten zu bestechen mag in einer Mission unsinnig erscheinen, ein wenig später wird sich die kleine Gabe jedoch auszahlen.

Etwas nervig ist das eintönige Design New Yorks. Viele Häuser sehen gleich aus, die Bewohner scheinen alle Klone zu sein und auch der Wind weht in jedem Stadtteil die gleiche Menge an Müll auf die Straße. In diesen Punkten fehlt die Liebe zum Detail, was aber durch den restlichen Eindruck auch nicht wirklich stört.

Es macht Spaß, das Spiel von vorne bis hinten durchzuspielen und alle anderen Familien auszurotten. Erst dann nämlich darf man sich König von New York fühlen, als wahrer Don. Danach jedoch lässt der Spielspaß nach. Wieder von vorne beginnen macht keinen Sinn, weiter Missionen gibt es nicht, wenn einem bereits alle Kneipen und Bordelle gehören. Vielleicht gibt es bald einen Erweiterungspack, in dem eine neue Familie auftaucht und den Corleones Konkurrenz macht.

Das Spiel überzeugt technisch, der Sound ist angemessen, die Grafik überragend, wenn auch wenig abwechslungsreich. Die künstliche Intelligenz der Gegner ist allerdings sehr beschränkt, so dass Zwischensequenzen manchmal zu einfach zu lösen sind.

Insgesamt ist "Der Pate" ein Spiel, das sowohl für die Fans der Trilogie als auch für Anhänger spannender Computerspiele geeignet ist. Eben ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Capice?

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