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Spiegel/ZDF:Sein Medium: Fernsehen

Nachrichtenmoderator Claus Kleber bleibt den ZDF-Zuschauern erhalten. Das Angebot, Chefredakteur des Spiegels zu werden, lehnte er ab. Bei dem Magazin geht jetzt die Fahndung nach einem neuen Chef weiter.

Eine für Mittwochnachmittag einberufene Informationsveranstaltung der Mitarbeiter KG des Spiegel-Verlages wurde kurzfristig auf den Montag kommender Woche verschoben. Mit dem Terminwechsel war die Hoffnung verbunden, Claus Kleber, Moderator des "heute-journals", als neuen Chefredakteur des Spiegel präsentieren zu können.

Bleibt beim ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg: Claus Kleber

(Foto: Foto: dpa)

Am frühen Mittwochabend sagte Kleber dem Spiegel-Verlag ab. "Wir hätten ihn gerne gehabt", sagte Armin Mahler, Sprecher der KG-Geschäftsführung und Wirtschaftsressortleiter des Spiegel. "Nun müssen wir in Ruhe weitersuchen." Ein frommer weihnachtlicher Wunsch in Hamburg an der Brandstwiete, wo der Spiegel sitzt.

Die Entscheidung fiel Mittwoch kurz nach 17 Uhr im Mainzer Sendezentrum des ZDF. Zwei Tage hatte Kleber mit ZDF-Intendant Markus Schächter und ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender verhandelt. Die Spiegel-Offerte war offenbar hoch dotiert (Brender: "Ein Riesenangebot"). Finanziell konnten Schächter und Brender nicht kontern, möglicherweise eine Erhöhung seiner öffentlich-rechtlichen Bezüge in Aussicht stellen. Also boten sie inhaltliche Veränderungen an.

So soll das "heute-journal" zu einem Tagesmagazin ausgebaut werden mit mehr Mitarbeitern. Ziel sei eine Qualitätsverbesserung und der Ausbau der Marke. Kleber soll alle Freiheiten erhalten, die Filme zu machen, die er möchte. Viele - vier, fünf - werden es allerdings nicht werden angesichts seiner Einbindung als "heute-journal"-Anchor.

"Ich bin froh, dass er bleibt und wir gemeinsam den Auftritt des 'journals' noch verbessern können'', sagte ZDF-Chefredakteur Brender: "Ich habe ihn 2003 zum ZDF geholt, warum sollte ich ihn ziehen lassen?" Er habe Kleber Mittwoch geraten: "Sieh zu, dass du die Entscheidung nicht am 13. bekannt geben musst."

ZDF-Intendant Schächter nannte den 52-Jährigen "den Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus". Er stehe für "Professionalität, Kontinuität und Zuschauernähe". Die Quoten des "heute-journals" sind allerdings nicht gestiegen, seit Kleber es präsentiert.

Am vorigen Freitag war bekannt geworden, dass Mitarbeiter KG und Verlagsgeschäftsführung den weltgewandten Fernsehmann zum Spiegel lotsen wollten. 15 Jahre lebte Kleber in Washington und berichtete für Radio und TV. In den USA fühlt er sich vielleicht noch immer stärker beheimatet als in Deutschland.

Möglicherweise spielten auch private Gründe eine Rolle, nicht nach Hamburg zu ziehen. "Ich traue mir die Aufgabe zu", sagte er Mittwoch, "am Ende steht die Überzeugung: Das Fernsehen ist mein Medium. Es ist also keine Entscheidung gegen das wichtigste Print-Magazin, sondern für das beste TV-Magazin. In einem Jahr senden wir mit der neusten Technik aus dem modernsten News-Studio Europas."

Beim Spiegel wird die Suche nach einem Chefredakteur nun fast zu einer Fahndung. Zunächst war eine Wunschliste zusammengestellt worden. Auf den NDR-Programmdirektor Volker Herres konnte sich die KG offenbar mit den Augstein-Erben einigen, nicht mit Gruner +Jahr. Auch Uwe Vorkötter von der Frankfurter Rundschau wurde gehandelt. Seit sich die Mitarbeiter KG als Mehrheitsgesellschafter des Spiegel-Verlages (50,5 Prozent) mit dem Verlag Gruner + Jahr (25,5, Prozent) und Augsteins Erben (24 Prozent) darauf einigte, Stefan Austs Vertrag als Chefredakteur vorzeitig zum 31.12. 2008 zu lösen, ist viel spekuliert und wahrscheinlich manches hintertrieben worden.

Aust, der den Spiegel seit 1994 führt, wurde nicht mehr zugetraut, junge Menschen ans Blatt zu binden. "Dazu braucht es eine frische Kraft", lautete Mitte November die Botschaft. Der Druck, die frische Kraft zu gewinnen, ist größer geworden. Selbst eine interne Lösung erscheint nicht mehr abwegig.