Schillerhöhe Auf diese Phrasen können Sie bauen

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann"

Eine Familiensituation: Tell repariert das Hoftor mit der Axt, Frau Hedwig widmet sich "häuslicher Arbeit", Sohn Walter spielt singend mit Pfeil und Bogen. Das elterliche Gespräch dreht sich um den Jungen, die Mutter hat wie alle Mütter etwas gegen das Schießen, während Tell die frühe Übung lobt. Hedwig nimmt darauf sofort Tells innere Unruhe aufs Korn, welche Angst sie um ihn ausstehe, wenn er ins Gebirge geht. Tell verteidigt seine Rastlosigkeit. Der berühmte Satz schließt das Gespräch ab: Ein befriedigter Tell begutachtet seine Arbeit.

Ein Satz aus einem Stück, fugenlos dicht und doch frei zugänglich jeder Assoziation. Ein bisschen Selbstlob klingt mit, aber ironisch amüsant gebrochen. Der ersparte Zimmermann ist keinesfalls die Quintessenz, sondern vielmehr das Vergnügen am Selbermachen. Aus dem Kontext gelöst entfaltet der Spruch nicht nur Sprichwortqualität, - welche Gabe, Sprache so unmittelbar pointieren zu können! -, sondern vielfältig ironische bis zynische, auch derb-erotische Konnotationen.

Wer hier die Nase rümpft vor vermeintlich platter Banalität, irrt total. Manchen Mord kann dieser Satz lakonisch kommentieren, manche Entscheidungen finden in dieser Sentenz ihren logischen Schluss. Es steckt ein "Basta" darin, wie man es präziser nicht sagen kann.

"Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht"

Großartig, wie dieser Pentameter nach dem Wort "Moment" nachdenklich, ja drohend innehält - auch rhetorisch ein gróßer Momént! -, um dann verächtlich abstürzen: "... fíndet ein kléines Geschlécht." So isses! Damals, heute, morgen: Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren, / Aber der große Moment... Die Xenien, aus denen dieser Wahrspruch stammt, sind eine Gemeinschaftsarbeit von Schiller und Goethe.

"Abrechnung mit ihren Gegnern sowie mit der dominierenden Mittelmäßigkeit ihrer Zeit", teilt ein Kommentar mit. So mittelmäßig würde man heute gern wieder sein. "Viele Xenien haben über den aktuellen Anlass hinaus allgemeingültige Bedeutung."

Jawohl, und das nicht zu knapp. Denn der Moment ist ja praktisch immer größer als das Geschlecht, das gerade lebt. Man schraube die Ansprüche im Zweifelsfalle also durchaus noch etwas höher. Kulturoptimismus macht auf Anhieb dümmer: Nur ein gemeines Geschlecht höhnt über Schillers Sentenz.