RTL kauft wieder Fußballrechte Eine Frage der Euphorie

Obwohl mit Fußballrechten schwer Geld zu verdienen ist, gab RTL heute bekannt, sich neun Spiele der kommenden WM 2010 gesichert zu haben.

Von Christopher Keil

Gerhard Zeiler, 52, ist in der eher aufgeregten Medienbranche ein eher unaufgeregter Manager, was ihm als Chef der RTL-Group mit ihren 42 TV- Kanälen in zehn europäischen Ländern zugute kommt.

Szene aus dem Achtelfinalspiel zwischen Ghana und Brasilien bei der Fußball-WM 2006. RTL hat nun Rechte erworben für die kommende Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

(Foto: Foto: dpa)

Als einer der ersten hat er - damals noch verantwortlich für RTL - formuliert, was bis heute im erfolgreichsten deutschen Privatsender grundsätzlich gilt: Wenn Sportrechte nicht im mindesten Geldrückflüsse garantieren, werden sie nicht gekauft.

Damit stellte er die Zahl übers Prestige, stieg aus der Champions League aus, und seine Nachfolgerin als RTL-Geschäftsführern, Anke Schäferkordt, überließ die diesjährigen Europameisterschaft komplett der ARD und dem ZDF. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten hatten 115 Millionen Euro für die Übertragungsrechte sämtlicher Spiele geboten und damit die Konkurrenz aus dem Feld geschlagen.

Ordentliche Quoten

Nun hat RTL mit den zehn WM-Spielen von 2006 sicher auch kein Geld verdient. Aber die Sonntagsspiele, unter der Programm-Marke Super-Sunday zusammengefasst, brachten ordentliche Quoten und Erträge, sie bedienten eine Kundschaft, die zwar Bohlen, Dr. House und GZSZ schätzt, aber auch das Bier beim Fernsehfußball.

Sport, die Formel 1, Boxen und der Fußball in der Wertigkeit von Länderspielen, soll offenbar künftig fest zum RTL-Profil zählen - wenn die zu erwartenden Defizite aus diesem Geschäft die Rendite des Gesellschafters Bertelsmann nicht empfindlich mindert.

An diesem Dienstag gab Schäferkordt den Zukauf von neun Partien der WM 2010 bekannt: sechs Gruppen-, zwei Achtelfinalspiele und ein Viertelfinalmatch. Außerdem sicherte sich das Unternehmen die Option für neun weitere Partien und hat dazu die Möglichkeit, die 18 WM-Spiele im österreichischem Sendegebiet ebenfalls exklusiv im Free TV zu verbreiten.

Ein interessantes Geschäft

Abgesehen davon, dass gegenwärtig in Frage steht, ob diese Weltmeisterschaft tatsächlich und damit als erste in Afrika stattfinden kann (Sicherheit, Stadionbau, Infrastruktur), ist das ein interessantes Geschäft.

Gegenwärtig steht nicht fest, ob RTL alle 18 Spiele ausstrahlen möchte. Wenn man von einer eher niedrigen Spielpreissumme von 2,5 Millionen Euro ausgeht für das erstrangige Paket, müsste RTL um 25 Millionen Euro bereit stellen, zuzüglich der Produktionskosten.

Die zweiten neun Spiele sind ausschließlich Gruppenduelle und daher billiger zu haben. ARD und ZDF investieren für 2010 circa 175 Millionen in 46 Live-Übertragungen (u.a. Eröffnungsspiel, Endspiel, Halbfinale, alle Termine mit deutscher Beteiligung). Insgesamt soll die Fifa, der Fußball-Weltverband, aus der Vermarktung der Fernsehrechte 2010 in Deutschland 230 Millionen Euro erzielt haben.

Verhandlungspartner von RTL-Geschäftsführerin Schäferkordt, 45, waren Premiere-Manager. Die Pay-TV-Plattform hat alle 2010-Spiele für das Abo-TV in Deutschland und Österreich erworben und dazu das kleine Free-TV-Paket.

Für Premiere, sagte ein Sprecher am Dienstag, rechne sich der Handel "sehr gut". Es wird davon ausgegangen, dass RTL die Spiele selbst zeigt und nicht, wie beispielsweise Sat1 im Fall der Champions League ("Champions TV"), das konfektionierte Programm von Premiere durchleitet.

Fünfmonatige Verhandlungen

"Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Paket erwerben konnten", sagte Schäferkordt. "Die Fußballeuphorie in unserem Land während der EM hat gezeigt, welche enorme Bedeutung der Fußball für die Zuschauer hat."

Fünf Monate hat es gedauert, bis sich RTL und Premiere einigten. "Der Ziehungsmodus steht fest. Dadurch wissen wir schon heute, dass wir attraktive Spiele übertragen werden", sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe, 49.

Von Mitte August an will Loppe mit seiner Redaktion über das WM-Konzept beraten, also über Moderation, Kommentierung, Präsentation. Denkbar ist, dass ARD und ZDF dem Konkurrenten wie bei der WM 2006 Sonntagsspiele überlassen. Sonntags dürfen öffentlich-rechtliche Anstalten nicht werben, kommerzielle schon.