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Rock-Pop:Lohn der Abschottung

"Walking On Cars" mit neuem Album in der Tonhalle

Wenn Patrick Sheehys raue Stimme ertönt - die Stimme des hageren Mannes mit der verkehrten Basecap auf dem Kopf - bricht Jubel aus. Walking On Cars, die Band, die sich in Dingle, einem kleinen Dorf an der Südwestküste Irlands, aus fünf Schulfreunden gebildet hat, meldet sich zurück. Drei Jahre nach dem ersten Album ist sie mit ihrer neuen Platte "Colours" auf Tour und es scheint, als wolle sie der ganzen Welt zeigen, dass sie ihren Sound gefunden hat. Dafür hat sie auch einiges getan. Haben sich doch die Mitglieder um Sänger Sheehy für das erste Album sechs Monate lang in einem abgelegenen, irischen Cottage ohne Telefon- oder Internetanschluss verschanzt. Heraus kam ein Album voller Rock- und Indie-Pop-Songs, das vor allem mit der Nummer "Speeding Cars" 2016 europaweit zum Hit wurde. Für das zweite Album mieteten sich die fünf in ein altes Schulgebäude ein. Und das Abschotten hat sich gelohnt.

Walking On Cars schaffen es, ihre Wurzeln zu behalten und dennoch zu experimentieren. Mit "Too Emotional" kommen Synthesizer hinzu, Nummern wie "Monsters" sind kraftvoll und tanzbar. Ohne viel Schnickschnack stehen sie auf der Bühne, sind authentisch, harmonieren perfekt miteinander, man glaubt ihnen jedes Wort und jeden Ton. Die Texte sind emotional, erzählen meist traurige Geschichten. Mal geht es wie in "Speeding Cars" um zwei Menschen, die eine Affäre miteinander haben und der Mann erpresst die Frau damit, dass er sich umbringt, wenn sie ihm nicht ihre Liebe gesteht, mal um Sheehys Kampf mit dem Alkohol in "Coldest Water". Sheehy ist kein Mann der großen Worte, er begrüßt das Publikum erst nach dem dritten Song. Aber das muss er auch nicht sein, das passt zu der Band und der Funke springt über. Zum Schluss kommen die Mitglieder zusammen, verbeugen sich klassisch, können es sichtlich nicht fassen, dass so viele ihre Musik feiern. Der Schlagzeuger verteilt seine zwei Drumsticks im Publikum und dann gehen sie, die fünf Freunde aus Dingle.