Rassistischer Witz eines Komikers Ein bisschen Trennung

Komiker Meckenstock wollte witzig sein: Wenn er Gülcan sehe, frage er sich, warum die Nürnberger Rassengesetze nicht mehr in Kraft seien. Der WDR findet das nicht mehr lustig - hat aber noch keine rechte Meinung zu seiner Zukunft.

Von Ruth Schneeberger

"Wenn ich Gülcan sehe, bedauere ich, dass es die Nürnberger Rassengesetze nicht mehr gibt." Schon wieder hat eine Person des öffentlichen Lebens sich öffentlich im Ton vergriffen: Manes Meckenstock, Düsseldorfer Kabarettist und Reporter der WDR-Sendung "Zimmer frei", hat in einer Moderation für den Lokalsender Antenne Düsseldorf die Viva-Moderatorin Gülcan Kamps angegriffen.

"Es war ein dicker Fehler", entschuldigte sich Meckenstock in einer weiteren Moderation für Antenne Düsseldorf - es war seine letzte Sendung. In beiderseitigem Einvernehmen trennten sich der Sender und der Entgleiste voneinander.

"Nationalsozialistisches Denken ist mir fremd"

Nicht so der WDR: Er hält an der Zusammenarbeit mit Meckenstock fest - vorläufig, wie es heißt. Was heißt das genau, und warum?

"Hätte Manes Meckenstock sich in einer Live-Moderation im WDR ähnlich geäußert, hätten wir uns auch von ihm getrennt", so WDR-Sprecherin Kristina Bausch. Die rassistische Äußerung, die als Witz gedacht war, sei nicht im öffentlich-rechtlichen Bereich, sondern in einer kommerziellen Unterhaltungsradiosendung gelaufen. Meckenstock hatte bisher in jeder dritten "Zimmer frei"-Folge einen Kurzauftritt als Außenreporter.

Das könnte sich nun ändern: Zwar habe der Kabarettist versichert, dass er den Vorfall bereue. Auch auf seiner Homepage beteuert er: "Ich bedauere meine Aussage über Gülcan sehr - es tut mir aufrichtig leid! Über Antenne Düsseldorf habe ich mich öffentlich entschuldigt und als Konsequenz meines Fehlers meine Radiosendung 'Kuckuck', die ich zehn Jahre lang mit Herzblut moderiert habe, abgegeben. Nationalsozialistisches Denken ist mir fremd, und ich lehne es ausdrücklich ab! Weiter möchte ich mich - wie mit Antenne Düsseldorf vereinbart - nicht dazu äußern!"

Dennoch will der WDR vor neuen Einsätzen erst einmal mit ihm sprechen. "Das soll in den nächsten Tagen passieren", sagt WDR-Sprecherin Annette Metzinger auf sueddeutsche.de-Anfrage. Bis auf weiteres werde der Sender ihm "eine Auszeit verordnen". Bisher habe es keinen Anlass zur Klage gegeben, doch diese Äußerung sei "völlig inakzeptabel".

"Wir gehen davon aus, dass es eine einmalige Entgleisung war und sich der Fall nicht wiederholt", so Metzinger. "Wir sehen aber seine Äußerung als so schwerwiegend an, dass wir bis auf weiteres auf seinen Einsatz verzichten möchten".

Antenne Düsseldorf hat schnellere Konsequenzen gezogen als das Öffentlich-Rechtliche. Auch der NDR hatte kürzlich mit Eva Herman gebrochen, weil es hieß, die Moderatorin habe sich positiv zur Familienpolitik der Nationalsozialisten geäußert. Warum also so zögerlich?

"Der Fall ist nicht mit dem von Eva Herman vergleichbar, weil Manes Meckenstock als einer von mehreren Außenreportern keineswegs eine programmprägende Rolle spielt", so Metzinger. Meckenstock habe seinen Fehler bereut und sich öffentlich entschuldigt. "Trotzdem bleibt bestehen, dass die Äußerungen inakzeptabel sind und ein Einsatz im Programm des WDR ein falsches Signal wäre."