Preisverleihung Noblesse oblige

Fedora-Preise für Oper und Tanz: Erneuerung kennt kein Alter

Von Eva-Elisabeth Fischer

Blauweiß beschirmt vor einer plötzlich herabstürzenden Regenwand erreichen die feinen Gäste die Boutique von Van Cleef & Arpels. Sie können sich fühlen wie einst George Balanchine, nur dass die Rettung vor einem Wolkenbruch auf sie wohl kaum so beflügelnd wirkt wie weiland auf den Meister der Neoklassik. Der nämlich hatte bei einem Gewittersturm in der New Yorker Schmuckfiliale selben Namens Schutz gefunden und choreografierte daraufhin 1967 seinen Dreiteiler "Jewels".

Es ist eine erlesene Runde etablierter Geld- und Kulturgranden, die sich zu einer Preisverleihung mit angemessen edlem Begleitprogramm eingefunden hat, um die von einer achtköpfigen Fachjury erkorenen Sieger aus acht Bewerbern zu präsentieren. Ausgelobt sind bei den Fedora-Preisen zwei satt mit 150 000 beziehungsweise 100 000 Euro dotierte Geldpreise für Oper und Ballett sowie erstmals zwei symbolische Preise. Über einen der beiden Letzteren freut sich das Theater Magdeburg mit seiner Puppentheater-Oper "The True Story of King Kong", die sich interdisziplinär dem Fremden, dem Andersartigen widmet und dafür die meisten Publikumsstimmen auf der neuen Fedora-Plattform erhielt. Diese umfasst 19 Opern- und Ballettorganisationen in 13 europäischen Ländern, mit zwei Millionen Euro kofinanziert durch das Programm Kreatives Europa der Europäischen Union.

Einer aber räumt ab an diesem Nachmittag im Probenhaus des Bayerischen Staatsballetts, bekommt die 100 000 Euro von Van Cleef & Arpels sowie den Preis für die erfolgreichste Crowdfunding-Kampagne: "A Quiet Evening", ein intimes Tanzstück, das der Stille und dem Zuhören gewidmet ist, und, wie alle anderen Nominierten auch, derweil nur als Projekt existiert und erneuernd wirken soll. Der von Generali ausgestattete Opernpreis geht an das Musiktheaterprojekt "Seven Stones", das am 7. Juli beim Opernfestival in Aix-en-Provence uraufgeführt wird. Der Komponist Ondřej Adámek, am Abend zuvor auch Gast bei der Münchener Biennale, gilt nicht wenigen als Begabtester unter seinen Zeitgenossen, ist aber mit 39 wie all seine Mit-Nominierten nicht mehr ganz jung.

Fedora will fördern und nicht ein Lebenswerk versilbern, heißt es. William Forsythe, Jahrgang 1949 und Choreograf von "A Quiet Evening of Dance", ist allerdings doch beträchtlich älter als alle anderen und bedankt sich freudig "für den Preis für einen älteren Mann". Unermüdlicher Ballettneuerer seit Ende der Siebzigerjahre, arbeitet er an dem bewusst intimen Projekt, das am 4. Oktober beim Londoner Sadler's Wells Theatre uraufgeführt wird, erstmals mit dem atemberaubenden Körperverknoter Rauf "Rubberlegz" Yasit.