bedeckt München 22°
vgwortpixel

Pop:Die ersten Star-Momente

Seit sich Pop-Manager Marc Liebscher für die junge Regensburger Band "Some Sprouts" interessiert, hat deren Karriere Fahrt aufgenommen

Wie stellt man sich einen Bandmanager vor? Dickwanstig wie den Boybandboss Lou Pearlman, oder wie einen pfeiferauchenden Versicherungsvertreter à la Elvis Presleys Colonel Parker? Jakob Riepl, der Gitarrist von Some Sprouts, tippte auf "den Kerl mit Hut im Trenchcoat, der am Mischpult stand". Vor dem Konzert der Regensburger Band im Münchner Kellerclub 8 Below hatte sich kurzerhand Marc Liebscher angekündigt. Den hätten sie gleich gegoogelt, sagt Riepl, und dabei herausgefunden: Liebscher hat die Sportfreunde Stiller groß gemacht, er betreut Münchens erfolgreichste Rapperin Fiva und auch Österreichs Pop-Granaten Granada. Große Nummer also. An diesem Abend jedenfalls trafen sie ihn nicht.

Liebscher war da. Er kann heute gar nicht mehr sagen, was es war, aber da war etwas, das ihn an dieser jungen Gitarrenpopband faszinierte. So sehr, dass es ihn zum nächsten Konzert nach Erding zog, in die ursprüngliche Heimatstadt der Some Sprouts. Normalerweise bringe man ihn nachts nur schwer aus dem Haus, zumal an einem Samstag, aber er fuhr die 60 Kilometer, fragte danach per Mail, ob man sich mal treffen wolle, und bot der Band bald im Münchner Café Faun an zu helfen.

Some Sprouts

Ist das schon der Pop-Gipfel oder nur ein Hügel? "Some Sprouts" grübeln über Erfolgsrezepte.

(Foto: Daniel Dueck)

Nun wussten Some Sprouts also, wie er aussah: ein im ewig jugendlichen Mod-Stil gekleideter Erwachsener mit Hornbrille. Aber es war ihnen nicht klar, wie die Hilfe eines Profis ausfallen würde. Der Chef der Agentur Blickpunkt Pop wollte ihre Songs an ein paar Bekannte schicken und Konzerte für sie zu buchen. Bisher hatten sie selbst Bars und Clubs darum gebeten, dort gegen Hut-Gage auftreten zu dürfen. Liebscher ließ seine Kontakte spielen, schon gingen sie als Vorband der New Yorker Indie-Größe We Are Scientists auf Tour. "Das war das erste Mal, dass wir ein richtiges Konzert spielten und aus Bayern rauskamen", erinnert sich der Sänger und Keyboarder Joshua Benker, "da haben wir richtig etwas mitgenommen". Die Profi-Band war nur zu viert im Sprinter-Bus unterwegs, drei Musiker und ein Tourmanager, die alle selber aufbauten, abbauten und am T-Shirt-Stand verkauften. "Ultrasympathisch", fand Sprouts-Gitarrist David Gebhard, "es gibt also auch andere Modelle, auf Welttour zu gehen." Von ganz anderem Kaliber war dann der nächste, den sie auf seinen Deutschland-Konzerten begleiten durften: Albert Hammond jr., der Sänger der legendären Strokes. Bevor sie ihn sahen, hörten sie seltsame Geräusche: Er sang sich auf ihrer Backstage-Toilette ein. "Ein heftiger Star-Moment", erinnert sich Benker. So einen erlebten sie auch, als der Ex-Fußballer, Pop-Kenner und Liebscher-Spezi Mehmet Scholl in seiner "Zündfunk"-Sendung die zweite Single "She Longs For You" rühmte: "Unfassbar, wenn die keine Karriere machen!" Das zu karibischer Rhythmusgitarre à la Vampire Weekend tänzelnde Stück wurde erst von Szene-Sendern wie Ego-FM und Puls gespielt, lief bald schon im Mainstream-Radio wie Bayern 3 und Eins Live und kommt im Internet mittlerweile auf mehr als eine Million Streams. Ein Sommer-Hit, dem man - so war auch das Welterfolgsrezept von Milky Chance aus Kassel - die regionale Herkunft aus der Oberpfalz nicht anhört. Die meisten Spotify-Abrufe kommen längst aus Hamburg und Berlin, gerade hat Liebscher seine Sprösslinge zum Festival "Great Escape" im englischen Brighton geschickt: Ihr melancholisch-fröhlicher Sound und die rätselhaft schönen Videos zu Songs wie "Mindcrush", "Clowns" oder der Single "Someone You Love" von der zweiten EP "IMMT" erinnern eher an internationale Größen wie den Relax-Rocker Mac DeMarco, an Dream-Popper wie Beach House oder gar folklustig an Mumford & Sons. Ein Veranstalter habe sich schon mal eine Stunde lang auf Englisch mit ihnen unterhalten, ehe alle merkten: "Wir sprechen ja deutsch."

Und doch ist ihre Studienstadt Regensburg ein wichtiger Hafen, wo sie sich im Bandprobenhaus an einem Schrottplatz gegenseitig inspirieren. Eine Tour zu 40 Städten und Festivals können sie gerade so in ihr Studium integrieren. Was danach kommt? "Wir haben alle Bock zu schauen, wie weit man es bringen kann." Ein Album wäre "ein Traum". Marc Liebscher hat schon Neugierde bei der Plattenfirma Universal geweckt. "Aber das machen wir nur, wenn es wirklich sinnvoll ist", sagt Benker. Sie wollen unabhängig bleiben, Manager hin oder her.

Some Sprouts, Mi., 22. Mai, Ampere