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Pop:Die Einsamkeit des Poeten

Ob es die umschwärmte Oberammergauer Heimatsound-Band "Kofelgschroa" in ihrer Urbesetzung jemals wieder geben wird, ist fraglich. Maxi Pongratz versucht derweil, die Lücke zu schließen

Am liebsten war Maxi Pongratz die Arbeit auf dem Friedhof, weil man ihn dort als Gärtnerlehrling ganz alleine werkeln ließ. Was er dazu nutzte, wie er es in seinem von Kofelgschroa vertrauten oberbayerischen Idiom singt, hinter den Grabsteinen zu schlafen. "Gärtnerlehre" heißt das Lied, in dem ansonsten ein Klavier wie in einer Stummfilmmusik vor sich hinklimpert und das als eines von 13 Stücken auf dem Solodebütalbum des inzwischen in Obergiesing teilansässigen Musikers zu finden ist. Geschrieben hatte Pongratz die Stücke eigentlich für Kofelgschroa. Die von ihm zusammen mit Matthias Meichelböck und den Brüdern Michael und Martin von Mücke als Freizeitband gegründete Volksmusiktruppe, die sich plötzlich an der Spitze einer neuen "Heimatsound"-Bewegung wiederfand. Und die dabei meistens den Eindruck machte, als wollte sie dort gar nicht hingehören.

Maxi Pongratz

Heimatsound unter weiß-blauem Himmel? Nicht bei Maxi Pongratz, der momentan ohne Kofelgschroa auskommen muss.

(Foto: Andreas Schlumprecht)

Seit vergangenem Oktober befinden sich Kofelgschroa im Dornröschenschlaf. Ein paar Monate zuvor waren Martin und Michael von Mücke ausgestiegen, um sich im einen Fall verstärkt dem Brotberuf zu widmen, und im anderen, um sich von einem Pferdeunfall auszukurieren. Danach traten Pongratz und Meichelböck eine Zeit lang mit wechselnden Gastmusikern auf. Ob sie Kofelgschroa irgendwann wieder aufwecken werden, ist ungewiss. Dafür kann man nun Matthias Meichelböck und sogar Michael von Mücke neben Theresa Loibl an der Tuba und Maria Hafner an der Bratsche als Gastmusiker auf Pongratz' Soloalbum hören. Und natürlich dessen Akkordeon und seine poetischen, mit dadaistischem Schalk durchsetzten Texte. An diesem Samstag stellt Maxi Pongratz das beim Trikont-Label erschienene Werk live im Heppel & Ettlich vor. Dort wird er dann nicht nur über seine Gärtnerlehre singen, sondern etwa im "Augenlied" über das Augenlid, mit dem man, was für eine tolle Erfindung eigentlich, wie mit einer Jalousie die Welt aussperren kann. Oder in "Leiden" über die Qual der unzähligen Entscheidungen, die jeder Tag so mit sich bringt. Oder über einen "sonnigen Sonntag", der für einen anonymen Obdachlosen zu seinem letzten wird: eine behutsame Auseinandersetzung mit dem Tod, die mancher sicher schon von einzelnen Kofelgschroa-Konzerten kennt. In "D'Nocht is miad" freut sich die Nacht darauf, dass sie am Morgen auch endlich mal schlafen darf. In "Passkontrolle" denkt Pongratz selbige mit Passwörtern, Passagieren und Passpapieren zusammen. Und nachdem er mit Kofelgschroa über eine Wäscheleine gesungen hat, macht Pongratz nun die "Regenrinne" zum poetischen Objekt.

Was den Sprachwitz in den Liedern von Pongratz angeht, da können ein paar Oberbairisch-Kenntnisse nicht schaden. Etwa, nur ein Beispiel, weil "Kead" im gleichnamigen Lied sowohl "gehört" (im zweifachen Sinne) als auch "gekehrt" meinen kann. Wobei es unter den Stücken, die im Alien Transistor Studio in Weilheim, in Pongratz' Giesinger Wohnung, im Proberaum von G. Rag und den Landlergschwistern und im "Hotel Kovèl" in Oberammergau aufgenommen wurden, auch fast komplette und reine Instrumentalnummern gibt. Für eine neue, Kofelgschroa-untypische Note sorgt dabei vor allem Pongratz' akzentuiertes, heiter rumpelndes oder auch mal melodramatisch-expressives Klavierspiel. Ansonsten bietet das Album für jeden, dem der Kofelgschroa-Entzug schon deutlich zusetzt, höchst wirksamen Ersatzstoff.

Maxi Pongratz , Samstag, 25. Mai, 20 Uhr, Heppel & Ettlich, Feilitzschstr. 12