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Photokina:Zehn goldene Regeln der Porträtfotografie

Nichts ist schwieriger als einen Menschen richtig in Szene zu setzen. Starfotograf Hubertus Küppers erklärt wie.

Hubertus Küppers gründete 1993 sein eigenes Fotostudio. Zwei Jahre später wurde er mit dem Meisterpreis der bayerischen Landesregierung ausgezeichnet. Seitdem hat er sich als Fotograf vor allem mit seinen außergewöhnlichen Menschenbildern einen Namen gemacht. 1998 begann er sich mit digitaler Fotografie und Bildbearbeitung zu beschäftigen und schon 2001 erfolgte die konsequente Umstellung auf digitale Fotografie.

Hubertus Küppers

(Foto: Foto: privat)

1. Befolge die Regeln, aber verstoße beharrlich gegen sie Kreativität lässt sich nicht lernen. Denke in Allegorien und Metaphern. Fotografieren heißt erzählen. Warum nicht eine junge Braut vor rostigen Türen fotografieren? Jung und Alt werden so auf symbolischer Ebene vereint, die Geschichte spinnt sich weiter.

2. Arbeite mit den Menschen stets respektvoll Gehe mit mit den zu porträtierenden Menschen nur sio um, wie Du es selbst gerne hättest. Denke darüber nach, ob das Foto das Du machen willst, auch wirklich gemacht werden muss. Porträts können entlarven, sollen aber nicht entwürdigen.

3. Nimm' Dir viel Zeit und suche eine Intention hinter den Bildern Die Vorbereitung auf gute Porträtbilder braucht länger als nur eine lange Tasse Kaffee. Manchmal braucht es zwei Jahre, bevor Fotograf und Modell die zündende Idee finden. Nimm' Dir Zeit, um ernsthaft zuzuhören. Manchmal kann ein "Porträttagebuch" helfen, die richtige Idee zu entwickeln oder verworfene Ideen wieder noch einmal zu überdenken.

4. Den Charakter eines Menschen auszudrücken verlangt Sicherheit Es muss klar sein, was das Bild transportieren soll: Ein Neurotiker passt nicht in einen geordneten Hintergrund, jemand, der streng ist, kannst Du nicht in Jeans ablichten. In jedem Menschen stecken mehrere Personen, Du kannst sie als Choleriker oder coolen Unternehmer inszenieren. Wählt weise, den Anforderungen entsprechend.

5. Beoachte Dein Modell in ungewohnten Situationen Bring' den Porträtpartner in eine ungewohnte Umgebung und lass ihn darauf reagieren. Die Menschen tun dann verschiedene Dinge, die für sie typisch sind. Versuche später beim Fotografieren diese Situation zu imitieren, um die gewünschte Geste oder Miene wieder zu erlangen. Manchmal kann man die Leute auch etwas Unerfüllbares versuchen lassen, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen.

6. Achte auf die psychologische Wirkung der Bilder Jemand kann monströs wirken, wenn man ihn von unten beleuchtet. Insebsondere die Wahl des Winkels ist entscheidend. Das Modell wirkt größer und erhabener, wenn man es von unten ablichtet. Das erzeugt Spannung. Blickt man auf ihn von oben, dann wirkt er kleiner, vielleicht sogar erniedrigt.

7. Zeige beim Fotografieren, dass Du alles in der Hand hast Beim Fotografieren gibst Du die Anweisungen nach dem Plan, wie ihr ihn vorher besprochen habt. Du gibst vor, was zu tun, damit der Plan erfüllt wird.

8. Beherrsche Deine Technik Die kreative Spannung geht verloren, wenn Du Deine Geräte nicht bedienen kannst und die ganze Zeit an der Kamera herumzudrehen musst. Also, vorher Einstellungen üben, Erfahrungen sammeln. Auch mit wenig technischem Aufwand und einer einfachen Kamera können hervorragende Fotos entstehen.

9. Mit Kindern zu arbeiten verlangt Geduld und viel Anpassung Denke an die Porträts von Kinder, die heulen, weil man ihnen den Lutscher weggenommen hat. Oder nehmen wir drei Monate alte Babys, dei in Blumentöpfen aufrecht siutzen, obwohl sie das von ihrer Entwicklung her noch nicht können. Beides ist würdelose Effekthascherei und sagt viel über das Unvermögen des Fotografen aus, Menschen normal und doch interessant darzustellen. Arbeiten mit Kindern heißt auch Tricks anzuwenden. Wenn Sie zu Hause nicht in der Nase bohren dürfen, bei Dir dürfen Sie es, denn Du bist beim Fotografieren der Chef. Lichte sie auf dem Arm ihrer Mutter ab oder auf einem hohen Stapel Handtücher. Das schafft ein interessantes Motiv und schadet den Kindern nicht. Ein Kindertermin sollte nicht länger als eine Stunde dauern. Grundsätzlich bestimmt aber das Kind, wie lange es aushält, wann es eine Pause braucht. Wenn es nicht will, solltest Du es nicht zwingen.

10. Übe Dich stets, sei bereit zu lernen Als ich Lehrling war, habe ich bei einem altenm Fotografen ein sehr gutes Familienbild mit perfektem Licht gesehen. Ich fragte ihn: "Wie machen Sie das nur?" Seine Antwort war einfach: "Ich sehe es und mache es einfach." Damals habe ich das nicht verstanden. Was er mir sagen wollte ist: Ich habe in meinem Leben unglaublich viel gelernt. Alles andere was ich tue entsteht aus den vorherigen Erfahrungen. Heute weiß ich was er meinte.