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"Per Anhalter durch die Galaxis":Freunde des Frottees

"Bescheuert wie eine Bürste"? Auf befremdliche Weise gedenken Fans des Schriftstellers Douglas Adams: Am 25. Mai, dem "Towel Day", tragen sie den ganzen Tag ein Handtuch mit sich herum.

Michaela Förster

Keine Panik! Die Welt ist nicht verrückt geworden, nur weil ansonsten geistig gesunde Mitbürger plötzlich ein Handtuch überall mit hin schleppen. Es gibt für alles eine ganz plausible Erklärung: am 25. Mai ist "Towel Day". Die Fans des Science-Fiction-Autors Douglas Adams gedenken des Großmeisters des Sarkasmus, indem sie den ganzen Tag ein Handtuch mit sich führen.

Durch seine Trilogie in fünf Bänden, "Per Anhalter durch die Galaxis", gelangte Douglas Adams zu Weltruhm. Die Geschichte über den Durchschnittsengländer Arthur Dent, der mit Hilfe seines Freundes Ford Prefect nur knapp der Zerstörung der Erde entrinnt und durch den Weltraum trampt, markiert für Science-Fiction-Fans einen Meilenstein des Genres. Adams' skurriler wie eigenwilliger Humor - man mag ihn oder nicht - ist die Basis des Erfolgs und der Grund für den Hype um den Frotte-Freund.

Im "Anhalter" wird dem Weltraumreisenden geraten, stets den Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis", dessen universeller Rat "Keine Panik!" ("Don't panic!") lautet, und ein Handtuch mit sich zu führen. Im ersten Teil der Trilogie, "Per Anhalter durch die Galaxis", findet sich folgendes Kapitel über den Nutzen eines Handtuchs:

Einmal ist es von großem praktischen Wert - man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet (...) und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen - bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig).

Im Notfall rettet das Badezimmerutensil Leben: Aus den Ecken eines seit längerem verwendeten Handtuchs könnte man Nährstoffe für mehrere Wochen saugen. Dies sollte erklären, warum man Adams' Humor mag oder eben nicht, und warum die Fans am 25. Mai ein Handtuch im Hosenbund oder über die Schulter tragen.

Ach ja, das Datum: Es ist minder offensichtlich, denn Douglas Adamas verstarb bereits am 11. Mai 2001. Das Datum des Towel Days verweist auch sonst auf kein besonderes historisches Ereignis. Die Anhänger des Autors wollten ihm möglichst bald nach seinem Tod gedenken, jedoch brauchte es Vorlaufzeit, um das Datum des Gedenktages via Internet publik zu machen. Die Summe der Zeitfaktoren ergab am Ende den 25. Mai.

In Adams'scher Tradition existiert ein weitere Theorie, wie das denkwürdige Datum erwählt wurde. Über Summen von Hexadezimalzahlen kommt man irgendwie über das Datum auf die brühmte Zahl 42. Dieses zugegebenermaßen unsinnige Zahlenspiel verweist auf die von Douglas Adams scherzhaft betriebene Zahlenmystik um die 42. Im "Anhalter" ist die 42 Antwort auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest". - Präzisen Fragen gebühren präzise Antworten.

Besonderes Highlight für Fans in diesem Jahr: Der Künstler Uli Schuster hat für kurze Zeit den "Don't Panic Towel Shop" geöffnet, in dem der interstellare Reisende das einzige wichtige Accessoire erwerben kann. Neben "Don't Panic" prangen auf dem Badetuch die GPS-Daten von Innsbruck. Der Ort, an dem alles begonnen hat: Douglas Adams kam die Idee zum "Anhalter" 1971, als er nachts, in einem Zustand, der nur nach tagelanger Nahrungsabstinenz und mehreren Litern besten österreichischen Bieres zu erreichen ist, in einem Feld bei Insbruck rücklings, mit Blick in den Sternenhimmel, liegen blieb.

Auch in dieser Situation hätte er es mit einem Handtuch bequemer gehabt.

© sueddeutsche.de
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