bedeckt München

Park Avenue:"Der Fall Ferres"

"Kartoffelhändlertochter aus Solingen", "Transrapid des Schauspiels" - so betitelt das Magazin Park Avenue Veronica Ferres in seiner neuesten Ausgabe. Ferres' Ehemann leitet rechtliche Schritte ein.

Es gibt Menschen, die sprechen schnell von "wir", obwohl doch kein wir spricht, sondern nur einer - einer wie Martin J. Krug zum Beispiel. Martin J. Krug ist der blonde Ehemann von Veronica Ferres, der blonden deutschen Aktrice, die auf ihren zwei Internetseiten (eine endet auf "de", die andere auf "com") angibt, dass sie "Rheinisch", "Kölsch", "Solinger Platt" und "Ruhrpott" als Dialekte beherrscht.

Krug und Ferres, dpa

In der Ferres-Krug-Welt spricht man vornehmlich in der "Wir"-Form: Veronica Ferres und Ehemann Martin J. Krug.

(Foto: Foto: dpa)

Von diesem Mittwoch an wird die Juni-Nummer des Magazins Park Avenue verbreitet. Auf dem Titel ist Veronica Ferres abgebildet, und in der Titelgeschichte steht, passend zu den Dialektkenntnissen: Veronica Ferres sei eine "Kartoffelhändlertochter aus Solingen". Da nimmt man ihr das "Solinger Platt" natürlich auch ab und fragt sich, warum sie so wenig daraus gemacht, warum nur Helmut Dietl in seiner Satire Schtonk! die "Kartoffelhändlertochter" filmisch zitiert hat?

"Der Fall Ferres" heißt das Park-Avenue-Stück. Auf fünf Doppelseiten wird "die Ferres-Krug-Welt" beschrieben. Es geht um Rollen, Talkshows, Eitelkeiten, um Betroffenheitsblabla und auch um Wohltätigkeit.

Krug ist schon an diesem Dienstag erschüttert - bevor das Heft aus dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) erschienen ist. Krug ist fassungslos. Oh ja: Er ist böse. Krug würde das sofort bestreiten. Er würde vermutlich antworten: Erschüttert und fassungslos sei aus dem Zusammenhang genommen und dadurch teilweise nicht nachzuvollziehen oder missverständlich. Des Weiteren stimme beides teilweise inhaltlich nicht. Bei konkreten Fragen stehe allerdings ein Berliner Anwalt zur Verfügung.

Die Ferres-Krug-Welt

Park Avenue nennt Krug die "Dampfmaschine vom Odeonsplatz", wo er in München sein Unternehmen Mediapool GmbH führt, das sich fürsorglich und allumfassend um Veronica Ferres kümmert. Ferres wird in der Ferres-Krug-Welt mit einem "Transrapid des Schauspiels" verglichen.

Wohl auch deshalb spricht Krug sehr als "wir" am Dienstagmorgen. Wir will Fairness, wir will sich wehren, will keinesfalls besondere Behandlung - allerdings, siehe oben, Konkretes weiß der Berliner Anwalt.

"Wir" ist auch der gemeinnützige Verein Power-Child, den Krug als Vorsitzender lenkt und Ferres als Schirmherrin behütet. Power-Child hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Power-Child hat ein bundesweites Präventionsprogramm, Power-Child hat auch mal einem bekannten Missbrauchsopfer geholfen. Bild berichtete.

Inzwischen soll das Missbrauchsopfer alle Bilder von Veronica Ferres abgehängt haben: Park Avenue hat sich tief in die Ferres-Krug-Welt gegraben. Und der Berliner Anwalt hat in vier Punkten eine Einstweilige Verfügung durchgesetzt. Redaktion und Verlag stehen zu den Recherchen ihrer Autoren. Die Ausgabe konnte nicht mehr geschwärzt werden, sie war bereits ausgeliefert. So erfährt man dann doch noch etwas von der Stilikone. Die Stilikone, immerhin, sieht "hinreißend" (Park Avenue) aus. Ihr Name: Elvira Netzer.

© SZ vom 21.5.2008/ehr
Zur SZ-Startseite