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Neues Album:Gemeinsam an der langen Tafel

Treffen sich im Süden ihrer Herzen: der Bad Endorfer Martin Kälberer, der Wahl-Züricher Pippo Pollina und der Bad Aiblinger Werner Schmidbauer (von links).

(Foto: Jazzhaus)

Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Pippo Pollina feiern mit "Süden II" wieder Menschlichkeit und Freundschaft

Stolz ist ein starkes Gefühl, meist mit schwacher Grundlage. Wo man geboren ist, dafür hat man nichts getan, man sollte nicht stolz auf das sein, was im Pass steht, zumal das oft "Hand in Hand mit Hass" geht. Das hat Werner Schmidbauer vom Vater gelernt, mit dem er sonst oft anderer Meinung war. Ob der stolz auf ihn war, da ist er sich nicht sicher, aber wohl ja: Als sein Vater vor mehr als 30 Jahren in den Bergen starb, fand man in seiner Geldbörse einen Zeitungsschnipsel mit einem Artikel über den Sohn, den jungen TV-Talk-Star von "Live aus dem Alabama". 2001 machte Werner Schmidbauer aus dem väterlichen Rat das Lied "Stolz drauf", in dem er singt, dass man durchaus stolz auf seine Kinder sein darf. Er ist es etwa auf seinen Valentin, der auch Musiker wurde und ihn zuletzt virtuos auf der Solo-Tour begleitete. Wenn Schmidbauer Pippo Pollina fragt, ob der auf seine Kinder stolz sei, dann antwortet sein Freund, dass da kein Stolz ist, wohl aber Glück und Bewunderung, weil sein Julian mit Faber so erfolgreich seinen Weg gemacht habe. "Ich glaube schon, dass du stolz auf ihn bist", sagt Schmidbauer dann.

Stolz dürfen sie und Martin Kälberer, der Dritte im Bunde, auf ihr gemeinsames Kind sein, das Trio Süden. Das wuchs 2010 aus dem Bedürfnis, mit den Seelenbrüdern zu spielen, über die Liedermacherbühnen hinaus, hob ab und landete zum großen Finale 2013 vor 10 000 Fans in der Arena von Verona. Jetzt zog es sie Anfang-Mitte-Ende-Fünfzig wieder zusammen, erst als Annäherungsversuch auf die Bühne, dann ins Studio, wo sie in einem Schaffensrausch 14 ganz frische Stücke für "Süden II" (Jazzhaus) einspielten. Allein "Stolz drauf" kam von früher mit, allerdings nun mit Platz auch für Pollinas Zauber-Stimme. Das italienisch-bairische Poesie-Ping-Pong ist wieder das Doppelherz der Lieder, Pollinas erhabene Emotionalität, Schmidbauers hemdsärmelige Großherzigkeit, und alles pulsiert durch Kälberers Multi-Musikalität - aber trennen kann man das eh nicht mehr voneinander bei den dreien. Alles fließt ineinander, leichter, befreiter noch als einst, aber auch cineastischer, orchestraler. Bei aller musikalischen Seligkeit sind sie politisch, auf ihre menschliche Weise: Wenn Pollina einen Bub im Flüchtlingskahn auf den Papa einplappern lässt mit seiner naiven Vorstellung von den "Citta dei Bianchi", den Städten der Weißen, und fragt, ob man sie mit einem Lächeln begrüßen werde, muss man schlucken, will dem Kind sagen, nein, so ist es nicht, aber ihm Mut machen: Bitte komm trotzdem.

Es braucht Freundschaft, die drei leben sie vor, wie bei ihrem traditionellen Silvesterfest in Sizilien, besungen in der Sehnsuchtshymne "Richtung Süden". Da sitzen die Familien an der langen Tafel, machen gemeinsam Musik, auch Pollinas Tochter Madlaina ist da, die mit einem englischen Lied auf "Süden II" eine weitere Farbe hineinbringt. Wer bis zum "Süden II"-Konzert am 27. März in der Philharmonie nicht warten will, kann zumindest sie schon mal im Duo Steiner & Madlaina am 3. Februar im Backstage bestaunen. "Schön, toll" werde das ganz sicher, schwärmt der sichtlich stolze Papa.