Neuer Chef der Bischofskonferenz Risse im schwarzen Block

Der neue Chef der Bischofskonferenz empört einige Amtsbrüder mit seinen Thesen zum Zölibat, zur Homo-Ehe und zum Verhältnis zu den Protestanten. Ein Richtungskampf mit den konservativen Bischöfen bahnt sich an.

Von Matthias Drobinski

Der erste Schuss gegen den neuen Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz kam gleich am ersten Tag, den Anlass bot ein Spiegel-Interview mit Robert Zollitsch. Der Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester also, sei zwar "ein Geschenk", aber "theologisch nicht notwendig", hatte der Freiburger Erzbischof dort gesagt.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz provoziert einige seiner konservativen Brüder.

(Foto: Foto: AP)

Schon am Nachmittag ließ der Regensburger Bischof Gerhard-Ludwig Müller per Pressemitteilung antworten: "In einem schnellen Interview konnte zum Thema Priestertum und Zölibat nicht alles so differenziert gesagt werden, wie es theologischen Ansprüchen genügt." Im Klartext: Zollitsch hat den Ansprüchen seines Amtsbruders Müller nicht genügt.

Dass Müller ein Interview des Konferenzvorsitzenden derart abqualifiziert zeigt, wie tief der Unmut der konservativen Fraktion der Bischöfe über die Wahl Zollitschs vergangene Woche in Würzburg ist, wo eine Mehrheit der Hirten den Freiburger wählte und nicht den Münchner Erzbischof Reinhard Marx.

Viele Bischöfe fürchteten, mit Marx auf eine konservativere innerkirchliche Linie festgelegt zu werden. Entsprechend sauer war der konservative Kölner Kardinal Joachim Meisner nach der Wahl Zollitschs.

Und die ersten Äußerungen des neuen Vorsitzenden, vor allem die im Interview mit dem Spiegel, dürften die Laune nicht gehoben haben. Was er zum Zölibat gesagt hat, ist nicht neu, aber wer hier sagt, es dürfe keine Denkverbote geben, steckt sofort in der Schublade der "Superprogressiven".

Zollitsch scheut keinen Konflikt

Zollitsch ging munter die Konfliktthemen durch: Er sei, anders als sein Augsburger Kollege Walter Mixa, für Kinderkrippen, und wenn der Staat Partnerschaftsregelungen für Homosexuelle treffe, dann könne er das tun. Er verstehe auch, dass die katholischen Papiere zum Kirchenverständnis die Protestanten verletzten.

Das alles dürfte Papst Benedikt XVI. nicht gefallen: Er hat die christlichen Politiker aufgerufen, gegen die Aufwertung der Homo-Ehe zu kämpfen; er hat mit "Dominus Jesus" den umstrittensten Text zum katholischen Kirchenverständnis geschrieben.

Der 69-jährige Zollitsch ist viel zu erfahren, um so etwas unbedacht zu sagen. Er will ein Zeichen setzen: Mit ihm wird es keinen Kampf gegen die "Diktatur des Relativismus" geben, wie ihn Papst Benedikt wünscht.

Die Pressemitteilung aus Regensburg zeigt, dass dies nicht ohne Konflikte wird durchzuhalten sein. Wie wenig die einst nach außen hin eiserne Einigkeit der Bischöfe noch gilt, ist auch am vergangenen Sonntag deutlich geworden. In München wurde Kardinal Friedrich Wetter verabschiedet, der wie kaum ein anderer für diese Einigkeit stand. Geradezu demonstrativ fehlten jene Bischöfe, denen der Zollitsch-Kurs nicht gefällt: Gerhard Ludwig Müller aus Regensburg, Wilhelm Schraml aus Passau, Walter Mixa aus Augsburg.

Kardinal Karl Lehmann, der scheidende Bischofskonferenzvorsitzende, soll in der Sakristei des Liebfrauendoms getobt haben - die Aktion traf auch ihn; er hatte die Wahl Zollitschs eingefädelt. "Das ist doch hier kein Kindergarten", raunte fassungslos ein Domkapitular, als er das Fehlen der Bischöfe bemerkte. Vielleicht aber die Aussicht auf den nahenden Richtungskampf.