Netzdepeschen:Journalisten des Jahres

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Spiegel-Autor Henryk M. Broder und FAZ-Autor Stefan Niggemeier fetzen sich öffentlich - allerdings ein wenig im Schatten ihrer Mainstream-Medien. Da sind die Bandagen bekanntlich härter.

Niklas Hofmann

Was für ein großes Glück es doch ist, das Internet!

Besonders für streitlustige, prominente Journalisten. Der berüchtigte und preisgekrönte Spiegel-Autor Henryk M. Broder knöpfte sich in der vergangenen Woche auf der Internetseite seines "publizistischen Netzwerks", der "Achse des Guten" den erfolgreichsten deutschsprachigen Blog, den "Bildblog" des kaum weniger berüchtigten und ebenso preisgekrönten FAZ-Medienkritikers Stefan Niggemeier vor.

Was dort getrieben werde, erinnere ihn, Broder, an den Volkswartbund, jene Vereinigung ehrenamtlicher erzkatholischer Zensoren, die in früheren Jahrzehnten an den Zeitschriftenkiosken auf die Suche nach Schmutz und Schund gingen. Für die Volkswartler sei das vor allem eine großartige Gelegenheit gewesen, das anstößige Material ausführlich durchzublättern. Und genau das treibe Macher und Leser des "Bildblog" an. Was dort geschehe, sei nicht etwa Medienkritik, sondern "gelebtes Junkietum": "Hier wichst zusammen, was zusammengehört."

Harte Bandagen. Aber kaum überraschend. Schließlich hatte Niggemeier zuvor einen Spiegel-Online-Beitrag Broders zu dessen Lieblingsthema, der drohenden Islamisierung Europas, zerpflückt. Unter der Überschrift "Gehirnfasten mit Henryk M. Broder" war in Niggemeiers-Privatblog zu lesen gewesen, wie Broder die Aufzählung angeblicher Vorfälle vorauseilender europäischer Unterwerfung unter den Islam Artikel für Artikel wiederholt. Dabei seien die Beispiele häufig "entweder falsch oder zumindest unbelegt" und stammten oft auch noch aus dem Umfeld des fanatisch anti-islamischen Blogs "Politically Incorrect" (PI), dessen Kommentarspalten ein Tummelplatz rassistischer Pöbler sind.

"Schweinchen Schlau ermittelt", kommentierte Broder die Attacke auf seine Glaubwürdigkeit, und fuhr, wie gewohnt, die schweren Geschütze auf: Auch ein persönlicher Befehl Hitlers für die Endlösung der Judenfrage sei ja nie gefunden worden. Über die Frage, ob der also eine Erfindung sei, müsse man das letzte Wort wohl "Sesselpupsern und Korinthenkackern wie Niggemeier überlassen". Und überhaupt: Eine Verbindung von ihm zu PI werde nur von Niggemeier "arrangiert". Noch vor einem Jahr allerdings gelangte man über einen Link auf Broders Homepage zu PI. Und ein Blogger verlinkte anlässlich des Streits ein Gruppenfoto, das Henryk M. Broder neben PI-Gründer Stefan Herre zeigt.

Dass das allein natürlich tatsächlich noch keine Zuneigung belegen muss, beweist übrigens ein ganz anderes Gruppenbild: Es zeigt Niggemeier und Broder Ende Januar gemeinsam nach der Entgegennahme der von der Medienzeitschrift Medium Magazin verliehenen Auszeichnungen als Journalist und Kulturjournalist des Jahres.

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