Nantesbusch:Inspiriert von Wald und Wiesen

Das Medienkunstfest "Stilles Rauschen"

Von Sabine Reithmaier, Bad Heilbrunn

Fahle Sonnenscheiben, wogende Gräser, Spruchbänder - die Wände des Langen Hauses eignen sich gut als Projektionsfläche für Videoinstallationen. Trotzdem war es für die Mitarbeiter der Stiftung Nantesbuch, die sich der Vermittlung von Wissenschaft, Kunst und Natur verschrieben haben, eine ganz neue Erfahrung, ihren Arbeitsplatz als Medienlabor zu erleben. Denn die 30 jungen Menschen, die am Workshop "Stilles Rauschen" teilnahmen, eroberten wirklich das ganze Gebäude für sich, agierten scheinbar unbeeindruckt von der ruhigen Ästhetik, die das Lange Haus prägt.

"Den starken Eindruck des Gebäudes mussten wir schon erst wegschieben", sagt Mischa Kuball. Der Düsseldorfer Kunstprofessor und Konzeptkünstler ist es gewohnt, sich mit Begrenzungen auseinanderzusetzen und dieselben mit Interventionen aufzubrechen. Hochgelobt wird derzeit seine Licht- und Soundinstallation im Jüdischen Museum in Berlin. Mit ihm und drei weiteren Künstlerkollegen hatten die Jugendlichen mit Aufnahmegeräten, Video- und Fotokameras das Wald-, Wiesen- und Moorgelände am Karpfsee erkundet, sich von Wind bewegten Oberflächen, Licht- und Schattenspielen oder Bäumen faszinieren, sogar zu Texten anregen lassen. Das so gewonnene, bearbeitete Material lieferte am Abend für das Clubkonzert "Lauschen" den passenden optischen Hintergrund. Wobei die atmosphärisch dichten Stücke von Thomas Klein alias Sølyst, bekannt als Schlagzeuger der Elektronik-Band Kreidler, mit monotonen, präzis gespielten Beats und ständig wiederholten Sequenzen für sich allein schon genügten, um das Publikum in Trance zu versetzen. Zum Tanzen animieren ließen sie sich erst später vom Münchner DJ Upstart - im echten Leben Plattenlabel-Inhaber und Clubbetreiber Peter Wacha. Von stillem Rauschen war da längst keine Rede mehr.

"In erster Linie geht es um den Prozess, nicht um die Ergebnisse", sagte Kuball, der in Nantesbuch dauerhaft mit der Lichtinstallation "re_Flex_ionen" vertreten ist. Mitgebracht und aufgehängt hatte er ein Banner: "Kritisches Denken braucht Zeit und Raum - hier & überall", jener Spruch, der im Oktober 1989 plötzlich für einen Tag am Nikolaikirchhof in Leipzig hing und seine Gültigkeit nicht eingebüßt hat. Den vergeblichen Versuch, ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur mittels einer Waage herzustellen, thematisierten Nils Kemmerling und Christina Karaba in einer witzigen Videoprojektion.

In der Eingangshalle hat sich zum flatternden Mobile von Kaarina Kaikkonen "Gradual" gesellt, eine Art Stillleben auf zwei schmalen Fahnen von Anne Schülke und Detlef Klepsch. Den Musiker Thomas Klein inspirierten die Gummistiefel. Eigentlich für Moorwanderungen vorgesehen, gruppierte er sie im Kreis und zitierte als Titel Nancy Sinatras Lied: "These boots are made for ...".

© SZ vom 27.11.2018
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