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Nachrichten aus dem Netz (50):Legendäre Gespräche

Mike Wallace hat im US-Fernsehen bedeutende Größen interviewt - darunter Aldous Huxley und Eleanor Roosevelt. Die wichtigen Zeitdokumente sind kostenlos abrufbar.

Der heute fast 90-jährige Mike Wallace ist eine Legende des amerikanischen Fernsehjournalismus. Schon vor mehr als 40 Jahren vermachte er der University of Texas Kisten mit Mitschnitten einer Interviewreihe, die er Ende der fünfziger Jahre für den Sender ABC führte.

Mike Wallace, Legende des amerikanischen Fernsehjournalismus, vermachte der University of Texas seine Interview-Reihe.

(Foto: Foto: AP)

Jetzt sind 65 dieser Gespräche kostenlos auf der Internetseite der Universität abrufbar. Die halbstündigen Sendungen führen in ein faszinierendes Panoptikum der Eisenhower-Jahre, zu Begegnungen mit einem jugendlichen Quizshowgewinner, "Amerikas führender Stripteasetänzerin" und dem Führer des Ku-Klux-Klan in vollem Ornat.

Vor allem bezieht die Videosammlung ihre Faszination aber aus den Nahaufnahmen von Größen wie Aldous Huxley, Erich Fromm oder Eleanor Roosevelt, die damals im werbefinanzierten US-Fernsehen zur besten Sendezeit hochkonzentrierte Gespräche führen durften. Alles andere als geistig eng und erdrückend erscheinen die fünfziger Jahre hier.

Gaus lehnte sich an Wallace-Interviews an

In der deutschen TV-Geschichte lehnten sich die Interviews, die Günter Gaus einige Jahre später unter dem Titel "Zur Person" zu führen begann, sichtlich an die Machart der Wallace-Interviews an. Die Gaus-Gespräche mit Adenauer oder Brandt, mindestens ebenso bedeutende Zeitdokumente, muss der Interessierte leider für einen stolzen Preis auf DVD erwerben. Online findet man die Interviews nur als Abschrift und - wie im Fall von Hannah Arendt und Rudi Dutschke - mit etwas Glück bei Youtube.

Eine Begegnung mit Dutschke erlaubt derzeit auch ein anderes Multimediaangebot. Zurück in den Mai 1968 führen die Archivbilder, die ein eigens eingerichtetes Netzportal des französischen Rundfunkarchivs Institut national de l'audiovisuel (INA) in Zusammenarbeit mit der Zeitung Libération präsentiert. Nachrichtenbilder und Fernsehinterviews fügen sich zu einem Panorama eines Landes, das für jenen einen Monat an den Rand der Revolution gerückt schien. Die alten Aufnahmen lassen die Streiks, die Demonstrationen und Straßenkämpfe lebendig werden und führen den Blick ins Ausland, zu den Provos von Amsterdam und den Anti-Springer-Protesten in Westberlin.

Ein Vorreiter in der Öffnung von Bildarchivbeständen war schon vor Jahren der Sammler Rick Prelinger, der zehntausende "Eintagsfilme" überwiegend aus den vierziger und fünfziger Jahren zusammengetragen hat. Schul- und Propagandafilme sind das, Firmenpräsentationen und private Amateuraufnahmen, die allesamt für augenblickliche Zwecke und nicht für die Ewigkeit gemacht waren - und gerade dadurch überraschende und entlarvende Einblicke in die Welt von gestern gestatten. Über das "Internet Archive" stellt Prelinger fast 2.000 dieser Filmdokumente zum kostenlosen Download zur Verfügung.