Nachrichten aus dem Netz (47) Das Internet des Cavaliere

Von Obama bis Jesus: Mit immer neuen Internetvideos wetteifern das Berlusconi-Lager und die Partei seines Gegenspielers Walter Veltroni um die Gunst der Wähler.

Von Niklas Hofmann

Silvio Berlusconi ist ein Mann der alten Medien. Das Internet, hat der "Cavaliere" kürzlich auf eine Journalistenfrage bekannt, sei ein Medium, über das er nichts wisse. Er sei ja ein alter Herr, der noch mit dem Federhalter schreibe. So eilt vor den italienischen Parlamentswahlen am nächsten Wochenende nicht gerade dem Medienmogul Berlusconi der Ruf voraus, mit seiner Partei Popolo della Libertà (PDL) einen besonders netzaffinen Wahlkampf zu führen.

Internet - was ist das? Er sei ja ein alter Herr, der noch mit dem Federhalter schreibe, bekennt der Cavaliere.

(Foto: Foto: AFP)

Dagegen setzt Berlusconis Gegenspieler, Roms Ex-Bürgermeister Walter Veltroni vom Partito Democratico (PD) schon fast penetrant auf die Nachahmung des Internet-Lieblings Barack Obama und gibt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Freund der Netzgemeinde. Nachdem der Veltroni-Wahlslogan "Si può fare" schon vom "Yes we can" Obamas abgekupfert wurde, bemühten sich junge PD-Vordenker auch um einen Youtube-Hit nach Vorbild des "Obama-Girls".

"I'm PD" heißt das Ergebnis, das vom 27-jährigen Blogger, PD-Politiker und Obama-Bewunderer Pier Maran konzipiert und für 65 oder 70 Euro (da gehen die Angaben der Beteiligten auseinander) in Mailand produziert wurde. Italiener aller Altersgruppen singen in dem Clip auf die Melodie des Discoklassikers "YMCA" über eine strahlende Zukunft ohne Berlusconi, wobei die Textzeile "Young Man!" durch den Appell "Walter!" ersetzt wurde. Von der Parteihomepage verschwand das Video nach einer Intervention der Inhaber der Rechte des Village-People-Songs. Im Youtube-Channel der Veltroni-Kampagne hat man das Filmchen aber offenbar "vergessen", so dass es mit inzwischen mehr als 120.000 Aufrufen seinen Zweck erfüllt haben dürfte.

Das Berlusconi-Lager mochte da dann doch nicht nachstehen und schob einen eigenen Clip hinterher. Eine schon etwas ältere Berlusconi-Hymne wurde umgetextet, ein Werk des Komponisten Andrea Vantini, das in den achtziger Jahren dem musikalischen Repertoire von Eros Ramazzotti alle Ehre gemacht hätte. "Menomale che Silvio c'è!", "zum Glück gibt's Silvio!" trällern vom Bauarbeiter über den Gelatiere zum Call-Center-Agenten die einfachen, arbeitsamen Italiener und schunkeln am Ende national vereinigt vor der Kulisse von Mussolinis Colosseo Quadrato im EUR-Viertel von Rom.

Inzwischen legt das Veltroni-Lager wieder nach. Im neuesten Video wird deutlich die Ästhetik des immens erfolgreichen "Yes we can"-Clips der Obama-Anhänger kopiert. Wieder versammeln sich die ganz normale Italiener um emphatisch ihrem Glauben an eine bessere Zukunft mit Walter Ausdruck zu verleihen. Fast erfrischend anders wirkt da der skurrile Clip mit dem der neu gegründete Partito Socialisto des einstigen Außenministers de Michelis einen kleinen Youtube-Hit landen konnte. Da werben nämlich nicht "ganz normale Leute" für die Sozialisten. Sondern gleich Jesus Christus.