Musik zur neuen McDonald's-Kampagne Sounds of Pommes

McDonald's wird zur Lifestyle-Company - Der Sound dazu kommt aus Unterhaching.

Von HELMUT SCHÖDEL

Die Gemeinde Unterhaching liegt im Südosten von München. An der Hauptstraße steht ein Tempel der schweren Küche, das Wirtshaus "Kammerloher", ein Schweinsbraten-Paradies mit soßensaugenden Kartoffelknödeln. Die Bratensoß' hat einen leichten Stich ins Zwiebelige. I'm lovin' it. Im "Kammerloher" saß Fabian, ein Mann Mitte zwanzig, ein Hip-Hopper, wie es sich gehört mit Baseball-Mütze und diesem um die Kniekehlen schlabbernden Jeans-Hosenboden. Zum HipHop gehören Graffiti, Breakedance, DJing und Rap, und er sei ein Rapper, sagte Fabian, in der Szene bekannt als "Dra-Q", vier Buchstaben, die stehen für "Dialog, Rhymes, Aussage - Qualität". Die Rapper seien die Dichter von heute, deren hastige Sprechgesänge die Literatur in die Knie zwingen würden, sagte Fabian, der gerade von nebenan ins "Kammerloher" gekommen war.

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Nebenan war früher ein Filmtheater, das noch früher der Tanzsaal des Wirtshauses war. Die "Fox tönende Wochenschau" sah man sich im Stehen an und holte dann Stühle, wenn der Hauptfilm begann. Als es nach 50 Jahren geschlossen wurde, war es schon ein richtiges Kino, an das nur noch der Balkon erinnert. Aus dem Saal ist ein Tonstudio geworden mit schwarzem Flügel und Tischtennisplatte: "Mona Davis Music". Es gehört Tom Batoy und Franco Tortora.

Franco traf Fabian im "Kammerloher", und sie erzählten sich eine Geschichte: Landen zwei Aliens, Vater und Sohn, und haben Hunger. Sie verstecken sich im Gebüsch und beobachten vier junge Menschen. "Wollen wir uns die schnappen?" Als die Aliens sehen, dass die Vier zu McDonald's gehen, warten sie ab: "Nachher schmecken sie besser."

Das war ein früherer Werbespot für McDonald's. Franco und Fabian sind trotz der verführerischen Küche im "Kammerloher" auf Fastfood-Trip. Jedenfalls musikalisch, denn der Fleischbatzen-Konzern hat sich bei ihnen gemeldet: McDonald's startet jetzt eine riesige Kampagne zur Image-Korrektur - die der Konzern anscheinend dringend nötig hat. Im vergangenen Jahr hat er erstmals Verluste gemacht; McDonald's gilt als weltunfreundlichstes Unternehmen in Sachen Service; und seit auch noch mehrere Amerikaner auf die Idee kamen, McDonald's wegen ihrer Fettleibigkeit zu verklagen, brennt vollends die Hütte.

So wird nun der fette Burger eilig zur Lifestyle-Bulette umgerüstet; statt Pommes und Majo leichte Salate, Milch und Öko-Burger vom glücklichen Rind. Dazu gibt es ein neues, rundum lebensbejahendes Werbekonzept, das in 118 Ländern die weltweite Burger-Familie, die des Junkfoods müde wurde, zurück an die Tröge holen soll. Für den Sound bekam nach einem Wettbewerb "Mona Davis Music" den Zuschlag. Das ist natürlich eine Sensation: Da startet ein Mega-Konzern eine weltweite Kampagne - und woher kommt die Musik? Aus Unterhaching. Hergestellt im Tanzsaal einer bayerischen Knödelstation.

Auch der Slogan der Kampagne ist ein Hammer: "I'm lovin' it". Das ist die neue Einfachheit. Wenn einem so ein Satz einfällt, dann klappt's auch wieder mit dem Nachbarn. Und mit der Bank. McDonald's hat sich den Satz patentieren lassen, ebenso wie dessen deutsche, französische und spanische Version: "Ich liebe es", "Me encanta" und "C'est tout que j'aime" sind Eigentum von McDonald's.

Zu diesem Slogan hat man inzwischen in Unterhaching den Sound erfunden, der Rapper aus aller Herren Länder zum abrappen veranlassen wird. Denn Rap ist jung, spontan, authentisch und kommt aus dem Underground. Wie der neue Big Mac: "McDonald's. Ich liebe es, denn egal, was geschieht, mein Leben ist Musik, niemals Stop, immer Repeat." Für die deutsche Burger-Familie rappt Fabian alias Dra-Q, ein Mann, dessen Name, wie wir jetzt wissen, für Qualität steht. Er ist kein Kind von McDonald's, sondern in der DDR aufgewachsen, mit Soljanka am Prenzlauer Berg. Jetzt rappt er mit einer Band namens Krisenstab, was doch einigermaßen witzig ist. Schließlich war es auch der Krisenstab von McDonald's, der die Konzernleitung zur Image-Kampagne aufrief. Außerdem studiert Dra-Q Theologie, und zwar an der Berliner Humboldt-Universität. Er hatte während einer Israel-Reise ein Gotteserlebnis. Auf einmal sei alles so klar und einfach und ein bisschen sinnvoll gewesen, sagte er. Klar und einfach: "I'm lovin' it." Ich liebe es. "Ich bleib' stets am Ball, 'nen echten Player bringt nichts zu Fall."

Die Umstände, unter denen die neue Aktion von McDonald's entsteht, schlagen das Manöver bei weitem. Da kommt viel zusammen: Prenzlberg und Unterhaching, Gottesfurcht und Schlabberhosen, Schweinsbraten und Aliens. Außerdem könnten die Jungs von der "Mona Davis Music" bald zu den Reichen und Schönen dieser Welt gehören. Unterhaching goes Hollywood, via Big Mac. Eine Zweigstelle in L. A. gibt es schon.

Tom Batoy stammt aus Oberammergau, Franco Tortora aus Herrsching am Ammersee. Dann wurden beide Münchner. Auch als Franco im "Tagöll", dem heutigen "Zweistein", im Münchner Glockenbachviertel an der Bar jobbte, ging es immer um Musik. Sie haben Musik studiert oder Musik gemacht, in Bands gespielt. Dann haben sie Musik für die Werbung erfunden, von Eduscho bis Müller-Milch, von Haribo bis Thomapyrin, oder Themenmusiken fürs Fernsehen, zum Beispiel für "Bericht aus Berlin". Sie wurden Ehemänner und Väter, wollten ihr Geld verdienen, aber nicht reich werden. Sie gehören zur Münchner Bohème und haben den entsprechenden Vorstadt-Charme und sind in der Stadt verwurzelt. Liebe, Familie, Freundschaft - die seien mehr wert als Geld. "Die Musik ist eine riesige Manipulations-Maschine", sagt Franco, "eine Emotions-Falle." Das sei das Spannende. Da könne man in der Werbung viel lernen für das eigentliche Ziel der beiden: Filmmusik. Er sagt: "Wir sind realistisch. Der Sound in der Werbung wird immer jünger, wir werden immer älter. Man muss da früh abtreten." Sie sind jetzt um die vierzig und haben die Filiale in L. A. gegründet, um nahe an der Filmindustrie zu sein.

"Ich wollte wirklich nicht berühmt werden", sagt Franco. "Ich wollte von meinen Musiklehrern nur wissen, wie man singt wie die Beatles oder Gitarre spielt wie Jethro Tull. Aber sie konnten es nicht." Dann machte er sich auf, bis zur Big-Mac-Music von heute. "Ich liebe es, ich bin der Chef, ich mag es fresh, nicht zu viel Stress."

Die McDonald's-Kampagne läuft gerade an. Wer sie sieht, darf ruhig an Knödel und Schweinsbraten denken. Kammerloher! We are lovin' it.