Münchner Jazzpreis Eins, zwei oder drei

Beim 4. Jungen Münchner Jazzpreis hätten alle Bands den ersten Platz verdient, am Ende gewinnt das "Marc Doffey Quintett"

Von Oliver Hochkeppel

Eigentlich hätte das Leo Betzl Trio seinen Auftritt beim 4. Jungen Münchner Jazzpreis in der Unterfahrt absagen müssen. Der nominelle Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber war von vorneherein verhindert, nun aber war auch noch sein Ersatzmann kurzfristig ausgefallen. Damit nicht ausgerechnet die Lokalmatadoren passen mussten, sprang Bastian Jütte ein, Träger des Echo Jazz wie des Neuen Deutschen Jazzpreises, und natürlich schon etliche Jährchen über der Altersgrenze von 27 Jahren. Der Routinier meisterte die gewiss nicht einfachen Schlagzeug-Parts brillant - für die Jury war es trotzdem eine blöde Situation, durfte sie doch Jüttes Leistung nicht berücksichtigen und musste sich nun immer fragen, wie denn das Originaltrio geklungen hätte. Was wahrscheinlich ausschlaggebend war, dass die Band am Ende nur den dritten und letzten Platz belegte. Denn ansonsten zeigte sich das schon bei einigen Wettbewerben erfolgreiche Trio gewohnt souverän: Leo Betzl selbst, der für sein romantisch-klassisch grundierten, aber auch zu wuchtigem Groove fähiges Modern-Jazz-Klavierspiel schon einen eigenen Stil gefunden hat. Wie auch der sensationelle Bassist Maximilian Hirning, der mit seinem packenden Techno-Jazz-Stück "Tek Tek Tek" die außergewöhnlichste, futuristischste Komposition überhaupt vorstellte.

Der andere Grund für den dritten Platz war die starke Konkurrenz: So durchgehend hochkarätig und qualitativ dicht besetzt war wohl noch kein Finalabend des Jungen Münchner Jazzpreises. Beim Leipziger Quartett Trio.Diktion bestach vor allem der lyrische Ton, die Finesse und das präzise Timing der beiden Bläser, des bei Johannes Enders und Michael Wollny ausgebildeten Saxofonisten Matti Oehl und der Posaunistin Antonia Hausmann, die sich an diesem Abend vermutlich den Solistenpreis geholt hätte, so es denn bei diesem Wettbewerb einen geben würde. Die von Oehl und dem Pianisten Philip Frischkorn stammenden Kompositionen waren sehr abwechslungsreiche, teils bezwingend mit Steigerungen arbeitende Miniaturen, die vielleicht insgesamt noch einen Tick zu brav sind.

So ging der Sieg an das Marc Doffey Quintett aus Berlin, wobei wohl auch hier nicht das Kompositorische, sondern die Summe einzelner Qualitäten den Ausschlag gab. Mehr noch als die schöne Bassklarinette des Bandleaders überzeugten hier das Schlagzeugspiel des aus München stammenden John-Hollenbeck-Schülers Sebastian Roesch und die warme, filigrane Gitarre von Bertram Burkert. Unwiderstehlich schließlich war der meist mit Vokalisen wie ein weiteres Instrument eingesetzte Gesang von Sabeth Pérez, die im abgelaufenen Turnus Mitglied des Bundes-Jazzorchesters war und der die Zukunft gehört.

Alle drei Bands hätten jeden Platz erreichen können. Wichtiger als das als weit überdurchschnittlich gute Gage ausfallende Preisgeld ist aber wohl ohnehin die Aufmerksamkeit, die die jungen Künstler beim Publikum in der überfüllten Unterfahrt erregten. Zum Beispiel bei Klaus Widmann, dem Leiter des Südtirol Jazzfestivals, der sich hier Anregungen für sein vorbildlich fortschrittliches und jugendliches Festival holte - und nun alle drei Bands auf dem Zettel hat.