MTV Video Music Awards:Bester Kampf gegen das System

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MTV Video Music Awards: Die Sängerin Alecia Beth Moore alias Pink in Los Angeles.

Die Sängerin Alecia Beth Moore alias Pink in Los Angeles.

(Foto: Agency People Image)

Eigentlich guckt niemand mehr MTV, trotzdem richtet der Musiksender tapfer weiter Preisverleihungen aus. An diesem Wochenende fanden die MTV Video Music Awards in Los Angeles statt.

Von Jens-Christian Rabe

Vom Popsender MTV hat die digitale Revolution nicht viel mehr übrig gelassen als die berühmte Marke und drei alljährliche Preisverleihungen. Beim Vermelden der Preisträger der diesjährigen MTV Video Music Awards, die am Sonntagabend in Los Angeles tatsächlich schon zum 34. Mal über die Bühne gingen, hat man deshalb kein wirklich gutes Gefühl mehr. Weil das längst ein bisschen so ist, als würde der Europäische Fußballverband die beste Klubmannschaft des Jahres prämieren, obwohl er schon eine halbe Ewigkeit die Champions League gar nicht mehr ausrichtet. Mit anderen Worten: Eigentlich guckt längst niemand mehr MTV. Und wenn doch, dann nicht wegen der Musikvideos. Nun ja. Sei's drum, wir sind beim Pop ja nicht im Sport, sondern in der Kunst.

Und lassen muss man es MTV doch, dass immer noch wirklich die Größten der Großen ihrer Popzeit kommen und sich wirklich alle Mühe geben. Dafür werden ja auch ständig schöne, neue Kategorien erfunden. In diesem Jahr gab's zum Beispiel zum ersten Mal einen Preis für den "Best Fight Against The System", den "Besten Kampf gegen das System". Also mit einem Musikvideo. Wobei noch rührender war, dass mit den Videos von John Legend, Alessia Cara, Big Sean, Logic, Taboo und den Darstellern des Hamilton-Musicals gleich alle Nominierten auch gewannen.

Ansonsten bekam das regierende Rap-Genie Kendrick Lamar für sein Video zu "Humble" allein sechs Trophäen, Moderatorin und Pop-Superstar Katy Perry machte sich ein bisschen über Donald Trump lustig, die rechte Gewalt in Charlottesville wurde verurteilt. Und was soll man sagen? Das sieht in der gigantischen Seifenblase, die diese Veranstaltung ist, läppisch aus, aber verkehrt ist es nicht. Und die für ihr Lebenswerk ausgezeichnete Popsängerin Pink erklärte immerhin wirklich elegant, was auch und gerade am Mainstream-Pop noch immer das Politischste ist: seine irrsinnige Kraft zur Plausibilisierung von Dissidenz gegenüber Normierung und Intoleranz aller Art. Amen. Bis nächstes Jahr.

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