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Monty Python:Die Überflieger

Aus der Serie TV-Serienklassiker: Blödeln für Deutschland - mit "Monty Python's Flying Circus" wagte sich die ARD an eine völlig andere Art von Humor.

Im Sommer 1971 passierte etwas sehr Komisches mit dem deutschen Fernsehen: Für einen Moment sah es so aus, als hätte die ARD an sich einen Humor entdeckt, der seiner Zeit hierzulande weit voraus war. Darüber ist die Sendeanstalt so erschrocken, dass sie sich schnell selbst geißelte, mit 20 Folgen Nonstop Nonsens.

Die Monty-Python-Crew im Uhrzeigersinn von links oben: Terry Gilliam, John Cleese, Michael Palin und Terry Jones

(Foto: Foto: AP)

In diesem sagenhaften Sommer tätigte der noch eigenständige Süddeutsche Rundfunk (SDR) einen tollkühnen Kauf: Er erwarb von der BBC die Rechte an zehn Episoden Monty Python's Flying Circus. Weil aber deutsche Fernseh-Angestellte schon immer am besten wussten, was lustig ist, schnitt der SDR das Material neu und bastelte aus den originalen Folgen flugs sieben nach eigenem Geschmack. Unangetastet blieb nur jene Episode, die im April 1971 beim Fernsehfestival in Montreux eine Silberne Rose gewonnen hatte.

Bioleks irrwitziger Einfall

Zu der Zeit, als der SDR mit der BBC verhandelte, setzte seinerseits ein junger Hauptabteilungsleiter der Bavaria einen irrwitzigen Einfall in die Tat um, den er bereits vor Montreux gehabt haben muss: Er lud Monty Python's Flying Circus ein, sein Zelt in der ARD aufzubauen. Später erst erkannte man, welchen Weg jener Alfred Biolek da - nebst dem SDR-Abteilungsleiter Edwin Friesch - geebnet hatte, und seither lassen sie ihm in der ARD aus Dankbarkeit viel durchgehen. Biolek ist wie John Cleese Jurist, hat über englisches Recht promoviert, vielleicht rührte daher das frühzeitige Gespür für die sperrige Genialität von Cleese und Co. - egal, für seinen Heldenmut anno '70/71 könnte man Biolek weitere zwölf Jahre Alfredissimo zugestehen.