Kurzkritik Sinnlicher Unsinn

Christoph Theussls "Weltmaschine unterwegs"

Von SABINE LEUCHT

Das Biergärtchen im Kleinen Theater Haar ist allerliebst. Es gibt Nachos, Quiches und Oliven, und schon am Tag zwei nach Betriebsbeginn kommen Christoph Theussl und seine Mannen mit ihrer "Weltmaschine" vorbei, die von Kaag in der Steiermark bis nach München zog, wo sie am Samstag im Kreativquartier strandete. Kostümiert sind Theussl, Mathias Lenz und Georg Reinhardt als "bäuerliche Kleinfamilie": Mann, Frau, Ziege.

Zunächst besteht das Live-Kunstwerk "Weltmaschine unterwegs" vor allem darin, dass die drei von ihren Begegnungen mit Menschen erzählen, die dem vermeintlich Sinnlosen ihr Leben widmen und damit dem oststeirischen Weltmaschinenerfinder und Fast-Theussl-Nachbarn Franz Gsellmann nacheifern, der von 1958 bis 1981 Tausende von Einzelteilen von der Plastikmadonna bis zur Schiffsschraube miteinander verknüpfte - seiner Umgebung und jeglicher Funktionalität zum Trotz. Denn Gsellmanns Maschine glänzt bis heute nur mit ihrer Anwesenheit.

Auf seiner Reise traf das Team also unter anderem eine Brückenmodell-Bauerin mit sozialutopischem Anspruch, und einen Achtzigjährigen, der 50 Jahre damit verbracht hat, sein Grundstück zu untertunneln. Aus diesen vielleicht nicht ganz realen Begegnungen bauen die drei ihre eigene "Maschine" mit sich selbst als schrullig-dysfunktionalen Teilen. Denn Künstler, die wie Theussl Sätze aus Gsellmann-Interviews singen, oder Ziegen, die pseudophilosophische Girlanden an praktisch alles hängen, sind ja auch nicht unbedingt dem Nützlichkeitsdenken verhaftet.

Man tut, und das ist gut. Was, das erlebt man in der abschließenden Performance für je einen Zuschauer, die etwas Grusel und viele Tipps von Weltmaschinenbauer zu Weltmaschinenbauer enthält, ein hübsches Symbol-Sammelsurium in der Fahrerkabine des Campers, einen sprunghaften Beifahrer, strenge Gerüche und taktile Naherfahrungen mit Kunstbrüsten. Viel Sinn macht das nicht, aber darum ging es ja wohl.