Kurzkritik Pop Hauptsache Prunk

"Coldplay" funkeln im Olympiastadion

Von Cindy Riechau

Coldplay tragen ganz schön dick auf. Das Konzert der britischen Band im ausverkauften Olympiastadion am Dienstagabend ist eine bombastische Lichtshow. Die Fans haben sich einen Abend der Superlative redlich verdient. Mussten sie zuvor doch stundenlang im Dauerregen ausharren, Rucksäcke und Taschen in separaten Zelten abgeben und sich filzen lassen. Das Konzert der "A Head Full of Dreams"-Tour wird begleitet von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, mit denen die Münchner Veranstalter auf die Terroranschläge in England reagieren.

Sänger Chris Martin bedankt sich bei den 70 000 Zuschauern für das lange Warten - mit netten Worten und einer glamourösen Bühnenshow. Das Leuchten tausender Armbänder, die jeder am Eingang erhalten hat, erfüllt das Stadion. Glitzerndes Konfetti und bunte Riesenballons fliegen durch die Luft. Der Auftritt beginnt und endet mit einem kleinen Feuerwerk. Die Show aber zündet nicht. Denn die meisten Lieder der Band sind leider weniger schillernd. Das Happening im Stadion kann über die Eintönigkeit von Songs wie "Every Teardrop Is A Waterfall", "Charlie Brown" oder "Always In My Head", mit denen Coldplay vor allem ihre neueren Alben bestückt haben, nur bedingt hinwegtäuschen. Diese Lieder klingen so unspektakulär, dass sie zur bloßen Begleitmusik des Bühnenspektakels geraten.

In einigen Momenten aber, wenn die grellen Farben, der Kitsch im Stadion verblassen, schimmert das eigentliche Können der Band durch. "The Scientist" und "In My Place" sind nach 15 Jahren immer noch starke Songs, die auch ohne jeglichen Prunk funktionieren. Könnten die Briten den Zauber vergangener Zeiten auf ihren künftigen Alben wieder aktivieren, es wäre ein großer Gewinn für die Band. Ein Fan kommt in München dann in jedem Fall auf seine Kosten: Der 19-Jährige darf Sänger Chris Martin live bei "Everglow" am Keyboard begleiten.