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Kurzkritik: Klassik:Traumhaft sicher

Das "Dover Quartet" im Hubertussaal

Von Klaus Kalchschmid

Drei Streichquartette komponierte Robert Schumann in einer Art Schaffensrausch im Juni und Juli des Jahres 1842. Es sollten jedoch leider seine einzigen bleiben. Das junge US-amerikanische Dover Quartet krönte jetzt im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg sein äußerst vielversprechendes Konzert beim "Nymphenburger Sommer" mit dem F-Dur-Quartett aus op. 41. Trotz fließend natürlich, ebenso ausdrucksvoll wie stilsicher musiziertem frühem Haydn (op. 20/5) samt bestechend klar modellierter Fuge im Finale, sowie spätem Mozart (KV 590), bei dem es berückende Momente gab, war das Ensemble mit Robert Schumanns Romantik ganz bei sich.

Wo zuvor Primgeiger Joel Link immer wieder erfolgreich die Führungsrolle übernahm, die zweite Geige (Bryan Lee) beinahe allzu zurückhaltend blieb, Bratscherin Milena Pajaro-van de Stadt sich durchaus behaupten konnte, und das Cello öfters erfrischend frech querschoss, also Individualisten spannend zusammen musizierten, bildeten sie jetzt einen einzigen, lebendigen Organismus. Bei allem gesanglichen Fluss war schon im Kopfsatz jede Phrase wie selbstverständlich strukturiert und wohlabgewogen, wurde stets auf einem, weitgespannten Atem gesungen. Übergänge gelangen traumhaft sicher, Akkorde leuchteten in vielschichtigen Harmonien. Im Variationensatz, bei dem die Teile nicht klar gegeneinander gesetzt sind, sondern verfließen, behielt das Dover Quartet nicht nur in jedem Takt den Überblick, sondern konnte dies auch den Zuhörern vermitteln. Wunderbar rhythmisch akzentuiert waren Scherzo und Trio, nicht minder perfekt in der Wahl von Tempo, Artikulation und Ausdruck das Finale.

Als Zugabe beim Münchner Debüt diese jungen Quartetts aus Philadelphia, das schon seit neun Jahren erfolgreich zusammen musiziert, gab es Duke Ellingtons "In A Sentimental Mood": wunderbar jazzig von den vier Streichern gespielt, als würden sie sich solcher Musik täglich mehrfach widmen.

© SZ vom 13.07.2017
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