Wo sie auf dem Boden herumrollt oder durch Vorortzüge tobt, hinterlässt sie hübsche Motive. Natürlich sind die schwarzweißen Dias pure Nostalgie. Warum sollte man ein rasch gedrehtes Video in komplizierten Arbeitsschritten wieder in eine Folge von Einzelbildern aufschlüsseln, wenn es nicht genau um diesen Retro-Effekt ginge, um die Aura der Kunstgeschichte, die hier im rhythmischen Klackern der Diakarussells "Konzeptkunst" souffliert, die Aura von abgesicherter Avantgarde der siebziger Jahre, als Bruce Nauman exaltiert sein Atelier durchquerte und Bas Jan Ader sich von Bäumen stürzte. Warum noch einmal? Es ist keine Kunst im Entstehen, die von den international besetzten Jurys für preiswürdig befunden wird, sondern die Sicherheit, dass viele mit dieser Kunst etwas werden anfangen können. Einmal prämiert, bleiben viele Künstler bei ihrer Kunst, wie bei einem Markenzeichen. Und dass Klara Lidén sich - kramend und bastelnd und Post austragend - vom Betrieb fernhält, wird nicht ausreichen; ihr Werk hat sich dort, wo es in nostalgischen Video- und Dia-Etüden ausfranst, den Ansprüchen der Verwerter längst angeschmiegt.

Klara Lidén: Diaprojektionen Installationsansicht: blauorange Kunstpreis der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken 2010, Bonner Kunstverein

Bild: Foto: Simon Vogel 6. Dezember 2010, 16:522010-12-06 16:52:25 © SZ vom 07.12.2010/kel