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Kulturfestival:Aus Garmisch in die Welt hinaus

Antonia Wiedemann

In dem Stück "Kindertragödie" beim Kultursommer Garmisch-Partenkirchen spielt Antonia Wiedemann (hier mit Hannes Wipfelder) eine der Hauptrollen.

(Foto: Karen Bauer)

Die ehrgeizigen Ziele der jungen Schauspielerin Antonia Wiedemann

Von Karen Bauer, Garmisch-Partenkirchen

Andere Teenager fahren in den Sommerferien per Interrail quer durch Europa. Antonia Wiedemann fährt täglich von Garmisch hinauf zum Riessersee, um Theater zu spielen. Mehrere Stunden täglich probt die 17 Jahre alte Gymnasiastin mit ihren Schauspielkollegen auf der kleinen Holzbühne unter der Regie von Harald Helfrich die "Kindertragödie". Am 1. September ist Premiere beim Garmischer Kultursommer, Sommerurlaub ist dieses Jahr nicht drin. "Aber das ist es wert", sagt Wiedemann und lächelt, sodass sich zwei Grübchen bilden. Sie will Profischauspielerin werden, nutzt jede freie Minute, um zu spielen.

Aufgewachsen ist Antonia Wiedemann in Garmisch-Partenkirchen. Die Liebe zum Theater liegt in der Familie: Ihr Vater richtete in seiner Jugend die Beleuchtung im Kleinen Theater Garmisch ein, die Mutter spielte dort Theater. Ein Jahr alt war Antonia, als sie an der Hand der Mutter zum ersten Mal über die Bühne tapste. Inzwischen drängt es sie immer öfter auf die Bretter. Die junge Schauspielerin mag es, in Rollen zu schlüpfen, probiert sich aus. Ob in "Die drei Musketiere", "Das verkaufte Dorf" oder "Club der toten Dichter": Oft spielt Wiedemann schwache, sterbende Mädchen. Sie hat Spaß an Dramatik, erzählt sie munter. Mit ihren braunen Locken, den großen braunen Augen und rosigen Wangen sieht Wiedemann noch recht mädchenhaft aus. Doch im Gespräch wirkt sie erstaunlich reif. Und auch auf der Bühne kann sie mehr als kränkeln und sterben: Im Schultheater richtete sie jüngst in der Rolle des Thomas Danforth in Arthur Millers "Hexenjagd" über Leben und Tod. Wiedemann mag Herausforderungen, schätzt abwechslungsreiche Rollen.

Nebelschwaden hängen an diesem Probentag in den Wipfeln über der Waldlichtung, Regen tropft auf die kleine Bühne. "Das passt zur Stimmung des Stücks", sagt Wiedemann und freut sich. Wo einst Bobfahrer auf ihren Schlitten ins Ziel rauschten, nimmt die Kindertragödie ihren Lauf: Die 15-jährige Lisl (Wiedemann) und ihre beiden Brüder spüren, dass mit den Eltern etwas nicht stimmt. Auf sich allein gestellt in der einsamen Waldhütte geraten sie in ein Psychodrama. Wiedemann legt als Lisl den Kopf schief für das Selfie mit Schmollmund, streitet rotzig mit den Brüdern. Die junge Schauspielerin spielt überzeugend und mit beeindruckender Bühnenpräsenz.

Auch vor der Kamera hat Wiedemann schon erste Erfahrungen gesammelt: Seit Staffel sechs ist sie als Hanna Hofer in der ZDF-Serie "Die Bergretter" zu sehen. Wenn Drehtage, Proben und Klausurenzeit zusammenkommen, kann das schon einmal stressig sein, erzählt sie. Aber Schauspiel sei ihre Motivation. "Wenn abends noch Probe ist, dann arbeite ich schneller für die Schule." Nach den Ferien besucht Wiedemann die zwölfte Klasse des Gymnasiums, macht in wenigen Monaten ihr Abitur. Danach will sie Schauspiel studieren. Schon jetzt liest sie sich quer durch die Dramen-Geschichte, sucht nach geeigneten Texten für die Aufnahmeprüfung. Am liebsten würde sie eine Schauspielschule in München oder Salzburg besuchen. Aber für den Traum von der Bühne würde sie auch weiter wegziehen, aus Garmisch in die Welt hinaus.

Kultursommer Garmisch-Partenkirchen, Fr. 19. Aug., bis So., 18. Sept., versch. Orte in Garmisch-Partenkirchen, www.kultursommer-gapa.de

© SZ vom 19.08.2016
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