Kolumne Intimer Zauber

"Mumford & Sons" überraschen in der Olympiahalle

Von Bernhard Blöchl

Denkt man an die Olympiahalle als Konzertort, denkt man an Intimität und Publikumsnähe - als Letztes, wohlgemerkt. Zunächst einmal ist Münchens größte Halle bekannt dafür, dass Popstars Shows der Superlative abfeiern. Mit hochauflösenden Videowänden, monströsen Bühnenlandschaften, viel Klimbim und Orchesterbesetzung. Erst kürzlich war hier die Hölle los: Hans Zimmer und Rod Stewart für die reiferen Menschen, 5 Seconds of Summer für die jüngeren. An diesem Samstag rocken Silbermond, ein paar Tage später schmeißt Udo Lindenberg zwei Partys. Könnte laut bleiben im Olympiapark.

Doch es gibt sie auch hier, die zauberstillen Augenblicke. Die Momente des Staunens, in denen man vergisst, dass Tausende Musikfans um einen herumhüpfen, ja, in denen man sich fühlt wie im Club. Nun waren in dieser Woche die Londoner Neo-Folk-Helden Mumford & Sons zu Gast, eine bärtige Kapelle, die 2009 im Atomic Café auftrat, die von Album zu Album üppiger dachte, bevor sie den Stadionrock für sich entdeckt hat. Mit E-Gitarren und Synthesizer statt Banjos und Basstrommeln. Der Wandel gefiel nicht allen. Aber ausgerechnet bei ihrem größten München-Konzert, in der Olympiahalle, schufen die Grammy-Gewinner eine Intimität, wie man sie hier selten erlebt. Es war im letzten Drittel des Gigs, als die vier Musiker auf einer Zusatzbühne beim Mischpult auftauchten. Sie drängten sich um ein Mikrofon und sangen, zum zarten Scharren der Akustikgitarre, vierstimmig Lieder: das rare "Sister" und das neue "Cold Arms". Dieser Moment, als es mucksmäuschenstill wurde, war wunderschön. Kurz zuvor war Marcus Mumford, der Tonangeber der Gruppe, schon einmal durch die Arena gelaufen, die Ränge hoch und wieder zurück. Beinahe hätte er dabei den SZ-Autor umgerannt. Das wäre freilich noch intimer gewesen, aber nicht mehr schön.