Kino Jay und Silent Bob .... Quatschen, Kiffen, Hängen

Das Hollywoodimperium zittert - angesichts der Filmgroteske "Jay und Silent Bob schlagen zurück"

Von ANKE STERNEBORG

Viel ist noch nie passiert, in Red Bank, New Jersey, in den Filmen von Kevin Smith: Man quatscht und kifft und hängt rum, vor dem lokalen Drugstore ("Clerks"), im Comicshop ("Chasing Amy") oder in der Shopping Mall ("Mall Rats"). Und es scheint, als würde die Provinzatmosphäre jegliche Energien absorbieren, denn aus Worten werden hier nur selten Taten. Nach dem schrillen Action Blasphemie-Abenteuer "Dogma" kehrt Kevin Smith nun mit "Jay und Silent Bob schlagen zurück" ein letztes Mal in seine geistige und geografische Heimat zurück, um seine notorisch gewordene New-Jersey-Slacker- Serie abzuschließen.

(Foto: SZ v. 24.03.2002)

Seine beiden Loser aus Red Bank, Jay und Bo, hat er diesmal ins Zentrum des Films gestellt. Und da selbst der lakonische Regisseur, der den wortkarg massigen Silent Bob selber spielt, kein abendfüllendes Programm darin sah, die beiden nur auf ihrem angestammtem Platz vor dem Drugstore stehen zu lassen, wo sie pubertäre Zoten über Sex, Drogen und Pupse von sich geben, lockt er sie mit einer Finte in die weite Welt hinaus. Da machen sie freilich genau das, was sie vor dem Drugstore auch tun.

Als die beiden Wind davon bekommen, dass der nach ihrem Vorbild gestaltete Kultcomic "Bluntman and Chronic" ganz ohne ihr Zutun in Hollywood verfilmt werden soll, regt sich Widerspruchsgeist. So werfen sich die beiden Schmalspurhelden mit ihrem bewährt trägen Phlegma in ein Roadmovie-Abenteuer, das sie über allerlei aberwitzige Hindernisse und Umwege bis nach Hollywood und in ein Studio führt. Dabei muss man sich die Filme von Kevin Smith als Gespinst von Querverbindungen vorstellen, das sich über den dünnen Lauf der Handlung erhebt. Bekannte Motive und vertraute Charaktere werden immer wieder aufs Neue vom Wegesrand aufgelesen und etwas später wieder fallen gelassen, wie Anhalter auf dem amerikanischen Highway: So treten beispielsweise Ben Affleck und Jason Lee in ihren alten Rollen als Holden und Banky in "Chasing Amy" wieder auf, in dem sie den "Bluntman-and-Chronic"-Comic ins Leben gerufen haben. Fiktion und Realität gehen fließend ineinander über.

Kevin Smith lässt sich zu seinen Charakteren so ähnlich inspirieren, wie sich Holden und Banky von ihren Freunden die Idee zu dem Comic holen - er destilliert auch seine Filmhelden aus seinem Lebensumfeld heraus. Den besagten Comic hat er selbst wirklich erfunden; er verkauft ihn in seinem eigenen Shop, gleich neben dem Drugstore in Red Bank, New Jersey. Und wenn Jay und Bob einen ganzen Film lang versuchen, den Film über sich selbst zu verhindern, dann thematisiert er damit auch den Sand im Getriebe der echten Produktion. "Wer würde denn Geld bezahlen, um einen Film über Jay und Bob zu sehen?", heißt es da schnoddrig, bis die Antwort sich mit einem vielsagend verschämten Blick in Richtung Zuschauerraum von selbst ergibt...

Wie Ping-Pong-Bälle springen die Einfälle zwischen den verschiedenen Ebenen von Fiktion und Wirklichkeit hin und her und verlieren allerdings bei jedem Aufprall Energie: Richtig originell und komisch ist das selten; der Plot kann seine Trägheit ungefähr genauso schlecht abschütteln wie die beiden Helden Jay und Bob. Die Witze bleiben auf "American Pie"-Zoten-Niveau, und die Blockbuster-Filmzitate und Seitenhiebe auf das produzierende Miramax-Studio sind immer ein bisschen zu offensichtlich, um wirklich vergnüglich zu sein. Es ist Zeit, erwachsen zu werden - das gilt für den inzwischen 31-jährigen Regisseur ebenso wie für seine spätpupertären Helden, die diesmal immerhin schon den ersten echten Kuss abkriegen.

JAY AND SILENT BOB STRIKE BACK, USA 2001 - Regie und Buch: Kevin Smith. Kamera: Jamie Andersen. Musik: James L. Venable. Mit: Jason Mewes, Kevin Smith, Jason Lee, Ben Affleck, Matt Damon. Mark Hamill, Carrie Fisher, Gus van Sant, Wes Craven, Jason Biggs, James van der Beek, Chris Rock, Alanis Morissette. Highlight, 104 Minuten.