Junger Münchner Jazzpreis Vom Rhein an die Isar

Die Metropole ihrer Musik ist Köln, aber zum Finale kommen die Cracks in die Unterfahrt

Von Oliver Hochkeppel

Zweimal war die Unterfahrt proppenvoll, seit vergangenem Jahr schneidet der Bayerische Rundfunk mit, und die aktuelle Preisträger-Band hat gerade mit einigem Aplomb ihr Debütalbum vorgestellt - der Junge Münchner Jazzpreis, der an diesem Freitag erst zum dritten Mal über die Unterfahrt-Bühne geht, hat sich in kürzester Zeit etabliert. Das mag daran liegen, dass sich beim Jazzpublikum herumgesprochen hat, wie munter der Nachwuchsquell hierzulande inzwischen sprudelt. Kommt dazu, dass ein Wettbewerbsformat - so heikel der Konkurrenzgedanke gerade im Jazz sein mag - in Zeiten der Casting-Shows besonders zugkräftig ist - was ja auch der BMW Welt Jazz Award jedes Jahr wieder aufs Neue beweist. Und schließlich spielt eine nicht unwesentliche Rolle, dass der Initiator des Preises alles richtig gemacht hat.

Der heißt Andreas Heuck, ist von Beruf Radiologe und privat bekennender Jazzfan. Außerdem hat er einen musizierenden Sohn, der immerhin ins Landesjugendjazzorchester gelangte. Für Heuck ein plastischer Anschauungsunterricht, wie schwer es Jazztalente haben, aus ihrer professionellen Ausbildung einen Beruf machen zu können. Also wollte er selbst etwas tun: Gründete den Verein Mucjazz - Münchner verein zur Förderung von Jazz e.V. - mit der Hauptstoßrichtung eines Förderpreises. Ließ sich dann von allen verfügbaren Fachleuten beraten, um die richtige Wettbewerbskonstruktion und -präsentation zu finden. So können sich nun alle Musiker und Bands um den mit 5000 Euro ordentlich und nachhaltig finanzierbar dotierten Preis bewerben, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und höchstens 27 Jahre alt sind. Und für den Wettbewerbsabend hat Mucjazz eine hochprofessionelle Jury, renommierte Partner wie den Bayerischen Rundfunk und die Unterfahrt sowie die Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Dieter Reiter gewonnen.

So ist also alles bereitet für die dritte Auflage. Die Blindfold-Vorauswahl der Jury sagt ungewollt etwas über die Gemengelage der deutschen Szene aus: Zwei der drei Bands sind aus Köln, und auch der aus Nürnberg kommende Dritte hat in Köln studiert - die Stadt am Rhein mit der ältesten und größten Jazzabteilung aller Musikhochschulen ist nicht nur im Ausbildungsbereich inzwischen noch vor Berlin die deutsche Jazzhauptstadt. Meist lässt sich die von Szenegrößen (und Dozenten) wie Jonas Burkwinkel, Pablo Held, Jochen Rückert, Hubert Nuss oder Sebastian Gramss geprägte Kölner Schule heraushören, unter anderem an einem eigenwilligen Modern-Jazz-Mischungsverhältnis von Groove und Arhythmik, von Minimalismus und Komplexität, von melodiösem Straight Ahead Jazz und avantgardistischer Freiheit. Man darf gespannt sein, ob dies auch für die beiden Trios Marius Peters Rearranged und Just Another Foundry und womöglich sogar für das Nürnberger Andreas Feith Quartett gilt.

Spieltechnische Virtuosität jedenfalls darf man bei allen voraussetzen. Bleibt die Frage, welcher Schwerpunkt sich am Ende durchsetzt: Die Betonung des Energetischen beim Pianisten Andreas Feith, in dessen Quartett neben Tilmann Oberbeck am Bass und Dominik Raab am Schlagzeug immerhin der Saxofon-Jungstar und Act-Künstler Jan Prax sitzt; das Spiel mit Stimmungen und melancholischer Dramatik des Gitarristen Marius Peters mit seinen Begleitern Stefan Jackmuth (Bass) und Silas Jakob (Drums); oder die vielgestalte Melodik des Saxofonisten Jonas Engel, des Bassisten Florian Herzog und des Schlagzeugers Anthony Gremminger.

Junger Münchner Jazzpreis 2015, Freitag, 13. Nov., 20 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstr. 42