Jubiläum Made in Monaco

Das Label Gomma Records feiert sein 15-jähriges Bestehen

Von Martin Pfnür

Not macht bekanntermaßen erfinderisch. Als etwa Mathias Modica und Jonas Imbery Ende der Neunziger davor standen, erste Singles auf dem anvisierten internationalen Markt zu platzieren, war da diese Sache mit dem Image. Zwei 19-Jährige aus Bayern, die in ihren Kinderzimmern an Edits von obskuren New Wave- und Elektro-Punk-Songs basteln, so wollten sie nicht einsteigen. Dann muss doch lieber gleich ein Typ wie Leroy Hanghofer her. Leroy Hanghofer, so die Legende, war ein Schwarzer mit Turmfrisur. Ein Mann, der wegen Kokainhandels im Knast saß und auf Freigang Musik produzierte. Hanghofer war natürlich ein Fake - und doch: der erste Künstler, der auf Gomma Records veröffentlichte.

Nun, da das Label seinen 15. Geburtstag mit drei Live-Acts, zahlreichen DJs, einer Poster-Show und der Compilation "Pop Futuro" feiert, wirkt dieser Coup natürlich ausgesprochen amüsant. Er beweist aber auch, dass es den beiden ernst war mit dem Projekt. "In den Neunzigern waren viele Labels sehr eindimensional", sagt Modica, der Gomma nach dem Ausstieg von Imbery alleine führt. "Wir wollten jedoch alles auf unser Podium stellen, was uns interessiert: Grafik und Kunst, Fanzines und Happenings." Gomma, das war und ist eben stets mehr als nur Musik. "Müsste ich eine Liste mit 100 Leuten machen, mit denen wir gearbeitet haben, dann sind 60 davon auch Bildende Künstler", sagt Modica.

Entsprechend dehnte man sich bald auch in die künstlerische Breite und Ferne aus, holte sich die Grafiker Mirko Borsche und Thomas Kartsolis fürs Visuelle dazu, schuf sich Netzwerke in London, Paris und New York, wo Modica und Imbery für ihr erstes Album, der "Anti N.Y."-Compilation, auf subkulturellen Tauchgang gingen, zusammen als Munk die Clubs beschallten, und mit James Murphy aka LCD Soundsystem eine Art Austauschprogramm zwischen München und New York starteten.

Es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die sich heute vor allem anhand des gut 160 Singles, Sampler und Alben umfassenden Katalogs nachvollziehen lässt. Disco- und House-Spielarten? Sehr gerne! Aber bitte mit einer organischen Note, mit Songstrukturen, Gesang und einem gewissen Etwas. Der Feist-Produzent Mocky, die feinen Vokalisten von Who Made Who, die erst auf Druck von Modica und Imbery zu singen begannen, der Londoner Wunderknabe Daniel Avery, alle starteten sie auf Gomma durch. Und München? Wurde plötzlich zum Markenzeichen. "Made in Monaco" stand lange Zeit auf den Platten, "weil man damit so schön anecken konnte, da die Stadt nie wirklich auf der Elektronik-Landkarte existierte", sagt Modica. Dass das mit dem Anecken heute nicht mehr so recht klappt - dafür hat die Gomma Gang höchstselbst gesorgt.

15 Jahre Gomma Records, 3. Juni, 21 Uhr, Kammerspiele, Maximilianstraße 28